Auf dem Weg nach Fátima stoppte ich an einem netten Restaurant/Cafe und bestellte mir an der Theke einen Kaffee. In der Auslage lag ein leckerer Krapfen mit Vanillefuellung, da konnte ich nicht widerstehen. Jetzt wollte ich nicht so plump mit dem Finger drauf deuten und sagen „dass da“. Also habe ich hoeflich gefragt wie man das auf Portugiesisch nennt, daraufhin hat mir die Wirtin gesagt „una bola“ und dann hat sie gesagt „sie koennen ihn aber auch gerne als Berliner essen“ (und zwar in bestem Schwyzerduetsch). Also das portugiesische Ehepaar hat 14 Jahre in Appenzell gearbeitet und sich dann zu Hause mit dem wirklich netten Lokal niedergelassen. Wir haben noch eine ganze Weile geratscht, die Mittagsgaeste (alles Portugiesen) haben geguckt und sicher gedacht, was ist das denn fuer eine Sprache. Mit grossem Hallo wurde ich dann verabschiedet.

Category: 2010 EUROPATOUR
Ich habe Spanien verlassen und bin in den (oder das) Alentejo in Portugal eingetaucht. Ihr muesst Euch das so vorstellen „unheimlich viel Land mit wenig drin“. Es ist wunderschoen alles blueht und es gibt eigentlich nur Olivenbaeume, Korkeichen und Weiden fuer unendlich viele Rinder und manchmal Schafe. Ein permanent wellige Landschaft, sanfte Huegel aber auf Dauer auch anstregend (rund 700 HM kamen heute zusammen). Mein erstes Erlebnis war bei der Mittagsrast in Santa Eulalia. Ich habe mir eine Brotzeit gekauft und auf dem Dorfplatz auf einer Bank verzehrt. Um mich herum standen weitere fuenf Baenke und auf jeder sass ein aelterer Herr alleine und unterhielt sich mit den anderen ueber den Platz hinweg ueber mich, da mein Portugiesisch gen Null tendiert, war das spannend, aber sie wunderten sich, was fuer einer ich wohl bin. Ich habe ihnen dann mit Haenden und Fuessen erklaert, wo ich herkomme und wo ich hinfahre, ob sie mich verstanden haben, weiss ich nicht. Als ich dann „Adios Senhores“ gesagt habe, haben sie jedenfalls applaudiert. Spaeter war es aehnlich, als ich in Monforte an meine Rad eine kleine Reparatur vornehmen musste, da stand der Aeltestenrat um mich herum und gab gute Ratschlaege. Mein Tagesform war heute unterschiedlich, getreu nach Goethe „geniesse wenn du kannst und leide wenn du musst“.
Jetzt hat mir gerade hier in einer maximal lauten Bar ein netter junger Mann seinen LapTop geliehen, damit ich kurz posten kann. Ansonsten ist die Gegend zwar schoen aber sehr aermlich.
Im nachmittäglich menschenleeren Badajoz treffe ich vor dem Tourismus-Office auf eine Gruppe belgischer Radfahrer, alle sind so aufgerödelt wie ich. Sie sind am 20.5. in Faro (Portugal) los und wollen in 50 Tagen in Antwerpen sein. Wir quatschen ein bisschen (woher, wohin, warum). Ich bin beruhigt es gibt noch mehr so „Verrückte“ wie mich, mein Trost der Älteste war 74. Da bleibt noch allerhand Raum.

Heute Morgen gut ausgeschlafen aufs Rad in Fregenal und dann ging die Post ab. Herrliche wilde Extremadura und alles blüht und ist grün, die Campesinos fahren schon das erste Getreide ein. Ich stelle mir vor wie verbrannt das hier im Hochsommer ist. Nur zwei Aufstiege heute (knapp 900 Hm), sehr gute Beine und gegen 15:00 war ich in Badajoz, der Provinzhauptstadt hier an der Grenze zu Portugal. Unterwegs habe ich im Heimatdorf von Alberto Contador (Radprofi) ein „Bocadillo con jamón“ gewollt, da hat der Mann in der Bar gesagt „no tengo pan“. Hey und dann ist der Typ los und hat Brot geholt. Das gibt es auch, aber manchmal haben sie einfach keine Lust sich auf den komischen Radfahrer einzulassen. Eigentlich hatte ich ja an einen Ruhetag hier in Badajoz gedacht, aber ich werde morgen weierfahren und mir Portugal erschließen.
Ich habe Sevilla am Sonntag gegen Mittag verlassen und nach ungefähr 45 km bin ich in der Pampas angekommen, auf rund 40 km knappe 1000 Höhenmeter und das mit 20 kg hintendrauf und bei rund 30 Grad, das war heftig. Angekommen bin ich dann in einem Nest namens El Alamo (so was gab es früher bei den Western) dort musste ich um Wasser betteln, habe ich auch bekommen. Die Nacht habe ich dann auf freiem Felde in meinem Zelt verbracht, aufgestellt war es schnell, aber eine sinnvolle Ordnung im Zelt ist mir noch nicht gelungen. Die Nacht war auch ziemlich unruhig, da schleicht so allerhand Getier herum und dann kommen schon mal „dumme Gedanken“. Aber romantisch war es trotzdem, ein toller Sternenhimmel und ein Supermond.
Heute ging es dann rund 1700 Höhenmeter auf gut 100 km durch die Sierra Aracena, das war was zum Beissen. Sehr beeindruckend ist das Gebiet rund um Rio Tinto. Mittlerweile habe ich Andalusien verlassen und bin in der Region Extremadura. Nachdem gestern die Hygiene etwas zu kurz kam, bin ich heute in einem schicken Hotel in Fregenal untergekommen.


