Heute mal ein paar Fakten zur Tour;

Rund 1100 km gefahren – Kalifornien und Arizona durchquert, New Mexico steht an.

Meine Energie auf dem Rad ist – nach der Quälerei in den ersten Tagen – mittlerweile sehr gut. Mir bekommen die Tagesetappen zwischen 70 km und 90 km sehr gut.

Gesundheitlich passt alles – durch die Höhe und stellenweise Kälte bedingt hat sich ein leichter, trockener Husten entwickelt, stört nur nachts ein wenig.

Der Blaue Elefant läuft hervorragend – ich sitze exzellent – technisch alles perfekt – lediglich am vorderen Bike-Stand hatte ich eine Schraube verloren – konnte heute in Animas ersetzt werden.

Der Biketag heute war eine Kopie von gestern, lediglich der Wind war schwächer – Gottseidank weiterhin als tailwind.

Die Landschaft ist bizarr, die Form der Wüste ändert sich ständig, mal felsig, mal niedrige Büsche.

Auf den rund 250 km von Douglas nach Columbus bin ich beständig zwischen 1200 und 1500 Höhenmetern – endlose Hochebene.

Die Höhepunkte sind tatsächlich die wenigen Tankstellen/FoodMarts.

Heute kam es ja auch zur Überschreitung der Continental Divide, also die kontinentale Wasserscheide der USA.

Eine Story ist ganz interessant, die Border Patrol ist ständig präsent. Ihre sandige Kontrollroute neben der Straße wird mit schweren Autoreifen an Ketten glatt gezogen (wie am Strand), so dass „unerlaubte“ Spuren leicht erkennbar sind.

Tagesziel ist Hachita, NM ein windumtoster Miniflecken mit wenigen Häusern. Jedoch mit einer Besonderheit – hier beginnt oder endet (je nach Sicht) die sog. Great Divide – eine Wander bzw. Bikeroute zwischen Kanada und Mexico.

Die Community stellt ihr „Center“ als rustikale Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung – für 20 $ hat man ein Dach über dem Kopf, eine superwarme Dusche und perfektes Wifi.

Mein alternativloser Platz für diese Nacht – es wird laut bleiben, da der Wind um das Haus pfeift. Momentan bin ich alleine in den riesigen Räumen, die Saison für die Great Divide hat noch nicht begonnen.

Der Wind hat gestoppt und „ein Wunder“ im Kühlschrank ist reichlich Bier – höre coole Western-Musik und trinke ein paar IPA‘s.

„Vom Winde verweht“ könnte ein Tagesmotto sein – oder „Sturm über Arizona“ ein anderes.

Aber der Reihe nach, schon beim Verlassen des Hotels pfiff der Wind durch die Gassen von Douglas.

Ein paar Blocks entfernt frühstücke ich in einem chicen Café – es gab sogar super leckeren Capuccino.

An der Tankstelle Verpflegung eingekauft und los ging es, auf die rund 80 km, die vor mir lagen bis nach Rodeo – einem sehr kleinen Ort – in the middle of nowhere.

Welch ein Glück für mich, der Wind der später zum Sturm eskalierte, kam oft von der Seite schiebend und meistens aber als absoluter „tailwind“.

So brauchte ich gerade mal vier Stunden – incl. 400 Höhenmetern bis zum Ziel in Rodeo. Es war einfach herrlich – eine wenig befahrene Straße mit sehr gutem Belag und tolle Landschaften.

Unterwegs habe ich 1000 km gefahrene Kilometer überschritten, mit New Mexico meinen dritten Staat erreicht, bin ungefähr 5 km in einem „Sandsturm“ gefahren und habe mein erstes Javelina gesehen.

Etwa 10 km vor der „stateline“ kam ich durch den Ort Apache (max. drei Häuser) und kurz dahinter zum Geronimo-Surrender-Monument (Details bei Wikipedia).

Leider tobte der Sturm derart, dass ich nur kurze Zeit dort verbracht habe.

Wenig später war ich an der Mountain-Valley-Lodge angekommen – via AirBnb hatte ich mich gestern im „Cowboy-Room“ eingebucht.

Tombstone heute Morgen friedlich und ohne Wind – glasklare Luft – herrlich.

Ich stärke mich für den Radtag im nahegelegenen O.K. Café – bummele nochmal über die Mainstreet und starte auf die rd. 80 Tageskilometer nach Douglas.

Lockere Kletterei aus Tombstone hinaus und dann 35 km wirklich vom Feinsten – super Asphalt – kaum ein Auto – leicht bergab – leichter Schiebewind.

Ruck-Zuck bin ich in McNeal – an der Kreuzung zur 191 – die Minitankstelle und ein kleiner Food-Mart sind geschlossen – ein Ort den ich guten Gewissens auf meine Liste der „traurigen Plätze“ setzen kann.

Auch auf den verbleibenden rund 20 Meilen fliege ich förmlich dahin. Erstmals auf meiner Tour fahre ich längere Zeit mit dem großen Kettenblatt.

Kurz vor 2 pm rolle ich vor das Hotel Gadsden, wo ich heute die Nacht verbringen werde.

Ein über 100 jähriges Haus mit einer eindrucksvollen Geschichte.

Douglas ist Grenzort zu México – auf der anderen Seite ist Agua Prietra der Grenzort – dort werde ich zu Abend essen.

War jetzt nicht wirklich prickelnd – vor allem hat mich der „Grenzverkehr“ interessiert – ich konnte völlig problemlos nach México und zurück.

Der Officer bei der Einreise in die USA hatte wohl noch keinen deutschen Pass gesehen. Er gab sich mit meiner Erklärung zufrieden.

Erstmals habe ich heute Nacht Coyotes gehört – mein Zelt stand super und die Temperatur war ok – gegen Morgen wurde es etwas frisch.

Entspannt einen Tee gekocht zum Durchwärmen – eingepackt und an der „großen Kreuzung“ gefrühstückt.

Ein wunderbarer Morgen und die ersten 25 km waren echtes Genußradfahren entlang der vielen wineyards. Kaum Verkehr und tolles Panorama.

Zurück auf dem Highway nahm der Verkehr zu und ein mäßiger Headwind verlangte kräftiges Treten.

Gottseidank ging es lange moderat bergab. Gegen Mittag nahm der Wind deutlich zu und die letzten Kilometer nach Tombstone – meinem Tagesziel – war es echt hart, zumal es nochmal 200 Höhenmeter zu überwinden galt.

Das ganze spielt sich so zwischen 1200 und 1500 über dem Meeresspiegel ab.

Gleich am Anfang von Tombstone liegt der berühmte Boothill – musste ich natürlich, trotz viel Sand in der Luft, besichtigen.

Schlafen werde ich heute im Historical Inn Tombstone – eine witzige Location.

Auf die Frage an den Eigentümer, wo ich zum Dinner hingehe – klare Ansage: Longhorn Restaurant – seit über 100 Jahren eine Institution in Tombstone.

Samstagabend sind natürlich viele Touristen hier – trotzdem cool auf den Spuren von Wyatt Earp und Doc Holliday zu wandeln.

Der Wind pfeift durch die Gassen – wahrscheinlich nicht anders wie vor 140 Jahren.

Auf einen Drink war ich noch in Big Nose Kate‘s Saloon.

 

Die Ruhetage sind zu Ende – wir frühstücken nochmal zusammen und los geht es.

Leisa & Matt begleiten mich die ersten 1 1/2 h in Richtung Süden. Dann heißt es Abschied nehmen – die beiden sind wirklich gute Freunde geworden seit 2022.

Vor mir liegt ein Aufstieg auf 1580 m – es ist nie wirklich steil – aber stetig – teilweise ist die Straße eng und viel Verkehr – stressig. Am Ende sind es 897 Höhenmeter – mit meiner Last schon heftig.

Die Landschaft verändert sich – die Wüste bleibt zurück und Prärie kommt auf – Kühe und immer mal wieder Bäume.

Irgendwann bin ich oben – in langen Wellen jeweils mit etlichen Metern Gegenanstieg geht es nach Soinita (800 Ew.).

Das einzige Hotel ist am Wochenende ausgebucht – die Lady gibt mir den Tipp – Santa Cruz County Fairground.

Da kann ich tatsächlich umsonst mein Zelt aufstellen – das Rodeogelände ist riesig und ich bin allein.

Das coole ist, ein paar hundert Meter zu Fuß ist eine sehr ansprechende Brauerei.

Die Dusche fällt heute aus – dafür lecker Essen und gutes Bier.

Ich gehe davon aus, dass die Nacht hier in der Höhe etwas „chilly“ werden wird.

Morgen geht es nach Tombstone – die Insider wissen das, OK-Corral – Wyatt Earp und Doc Holliday. Ich war als Schüler ein leidenschaftlicher Leser der Wyatt Earp-Hefte – hatte bestimmt über 100 Stück davon.