Eigentlich wollte ich die Fähre auf die Iowa-Seite nehmen, der früheste Termin ist 10 Uhr, das passte nicht so zu meiner Aufwachzeit.

Hatte gestern Abend noch eine Warmshowers-Übernachtung bei Lisa und Matt Nelson in East Dubuque klargemacht.

So blieb ich auf der Wisconsin-Seite, auf der etwas längeren Route und bin um 7:30 Uhr los.

Heute gab es alles, tolle Farmlandschaften, Gewerbegebiet, Dörfchen, Kirche und Highway – aber so gut wie keinen MR, dafür aber knapp 1000 Höhenmeter.

Nach meinem Snickers/Espresso-Start am Morgen ging mir nach zwei Stunden bergauf und bergab, ziemlich plötzlich der „Sprit“ aus. Ein 5 km Umweg nach Potosi und eine kleine Tankstelle retteten mich.

Es wurde wieder sehr heiß und auf den letzten 20 Kilometern mächtig Gegenwind.

Ich erreiche den vierten Staat auf meiner Tour.

Und wenig später – nach einem steilen Aufstieg (schiebend) erreichte ich das tolle Haus der Nelson‘s. Besser hätte ich es nicht treffen können. Lisa und Matt sind super Gastgeber.

Wusste heute morgen nicht so genau auf welcher Seite ich fahren sollte. Wisconsin oder Iowa ?

Klar war, dass ich nach Prairie Du Chien musste – gute 25 Meilen – auch einige kleinere Anstiege dabei. Ließ sich gut fahren – war die ersten beiden Stunden meist im Schatten.

Prairie Du Chien ist ein cooler Name – kommt wohl daher, daß der Fox-Häuptling, der sein Land an die Franzosen verschacherte, einen indianischen Ausdruck für Hund im Namen führte. Für mich war heute der Laundromat wichtig.

Ich blieb auf der Wisconsin-Seite – also East-Bank – und hatte mit zwei richtigen Bergen und vielen „Rolling Hills“ zu kämpfen – aber vor allem mit der Hitze, die zwischen 12 Uhr und 18 Uhr immer um die 40 Grad Celsius hatte und im Schatten um die 35 Grad.

Eine sehr schöne Farmlandschaft oberhalb des MR – leider bei der Hitze ohne jeglichen Schatten nur bedingt genußvoll

In Cassville angekommen gab es erstmal zwei Enttäuschungen beim Anfahren der Hotels/Motels. Eines zu, das andere „no vacancy“.

Im Eagles Roost hat es geklappt – zwar musste ich fast 2 1/2 h warten, da die Eigentümer auf Bootstour waren – ohne Telefon. Eine Familie aus Illinois, die eine Ferienwoche hier verbringt, versicherten mir, dass ein Zimmer frei ist.

Ende gut – alles gut – ein kleiner Pool und ein sehr schönes Zimmer mit Ausblick (gekühlt). Camping bei diesen Temperaturen und der hohen Luftfeuchtigkeit schließe ich baw. erstmal aus. Da Beides weiter südlich eher noch Zunehmen wird gibt es aktuell einige Fragezeichen.

Ich muss sicher meine Strategie – was die Hitze angeht überdenken.

Sehr gut geschlafen – trotz Eisenbahn und Straße in unmittelbarer Nähe.

Die Wolken hängen tief und es ist eine ziemliche feuchte Angelegenheit. Um 6:30 Uhr bin ich auf der Straße.

Nach einer knappen Stunde ist der erste Tausender voll.

Es geht zügig nach La Crescent – der Apfelstadt Minnesotas. Leckeres Frühstück in Kaddy‘s Café. Die Sonne kämpft sich durch und ich packe das Zelt aus – in 15 Minuten ist alles trocken und wieder verstaut.

Muss sein – heute wird nicht gezeltet – habe kurz vor La Crescent ein Hotel für heute Abend – zur Feier des ersten Tausenders – klar gemacht.

In Richtung der Staatsgrenze von Iowa wechseln sich spektakuläre Flusslandschaften ab.

Gegen Mittag erreiche ich bei New Albin den Staat Iowa und lasse Minnesota endgültig hinter mir.

Es wird ziemlich heiß am Nachmittag und meine in Minneapolis gekaufte „Hitzeausrüstung“ besteht die erste Bewährungsprobe bestens.

Über die spektakuläre Brücke bei Lansing wechsele ich wieder auf die East Bank und bin erneut in Wisconsin – also Triple-State-Day heute.

Knapp 45 Minuten später bin ich in Ferryville im Grand View Motel angekommen.

Am Morgen war mein Reifen wieder platt – was ein Mist – habe den Geflickten entfernt und den Ersatzschlauch genommen. Mit der Handpumpe ist das ziemlich ätzend.

Habe einen Rennradfahrer angesprochen, da ich einfach zu wenig Luft für die schwere Last hatte. Er ist ca. 2 Meilen mit mir zu sich nach Hause gefahren. Mit der Elektropumpe war das Problem schnell gelöst.

Was ich garnicht mag, ist zurückfahren, musste ich aber, da nur in Wabasha auf Sicht ein Bike-Store ist und ich wieder einen Ersatzschlauch brauchte.

Entscheide mich wieder auf der Wisconsin-Seite zu fahren, hatte mir gestern ja sehr gut gefallen. War aber heute nicht schön – eine verkehrsarme Country-Road auf der zig Harley-Fahrer hin- und herbrettern, rechts eine Eisenbahnlinie mit lautem Güterverkehr und irgendwo dahinter der MR.

Habe meinen ersten Tourenradler seit fast 1000 km getroffen. War ein junger Mann aus Michigan mit wenig Gepäck, beim Überholen haben wir ca. 1 km geschwätzt, dann hat er wieder Gas gegeben.

Gab auch kam was her für Fotos – irgendwann war ich in Winona – eine doch richtige Stadt aus der Winona Ryder kommt (wer hätte das gedacht).

Durch einen schönen Park am See entlang mit Blick auf einen der zahlreichen Bluffs habe ich das Städtchen wieder verlassen. 15 km später bin ich auf den Pla Mor Campground abgebogen.

Schöner Familienplatz mit einem kleinen Pool. Ich habe ein schönes Plätzchen und versöhne mich mit dem etwas „gebrauchten Tag“.

Werde morgen sehr früh starten, es soll deutlich über 30 Grad haben.

Um 4:30 Uhr werde ich von Blitz und Donner geweckt – wie immer habe ich ein bißchen Schiss im Zelt. Die Blitze sind einfach „zu nah“.

Mein Wetter-App sagt um 7:00 Uhr ist es vorbei, war auch so. Mein Hilleberg-Niak ist Sturm- und Wetterfest und hat sich wieder mal bewährt.

Als das Geblitze vorbei ist schlafe ich glatt nochmal tief ein. Packe erst gegen 9 Uhr meine Sachen zusammen, trinke in aller Ruhe noch meinen Espresso.

Als ich los rolle ist mein Hinterrad platt. So ein Mist – also komplett abrödeln – Schlauch flicken – im Pferdeschuppen gibt es einen Kompressor, das erleichtert die Pumperei ganz mächtig (also doch noch added value aus den 46 $ gezogen). Wieder Aufpacken und hoffen, dass der Flicken hält.

In Red Wing gönne ich mir nach der ganzen Aufregung ein gutes Frühstück – checke nochmal die Luft im Bikeshop.

Entscheide mich auf die andere Seite des MR zu fahren und bin damit im zweiten Staat meiner Reise – Wisconsin.

Es gibt zwar ziemlich bald einen 250 Höhenmeter Aufstieg – mit dem Gepäck schon ziemlich zäh – aber dann eine tolle Fahrt entlang am Lake Pepin – ist ein bisschen wie Starnberger See.

Kaffeepause in Stockholm und einige Stopps an den sog. Historic Markers. Sehr interessant – gut für Euer Englisch und die Geschichte dieser Region.

In Wabasha bin ich wieder zurück auf der West Bank in Minnesota.

Nach 10 Meilen steuere ich die Pioneer Campsite an. Paul der Owner hat mich schon am Tag auf der Straße in Wisconsin gesehen und freut sich total – ich darf nichts bezahlen.

Von Dauercampern werde ich zum Essen und natürlich auch auf ein Bier eingeladen. Sie drehen sogar noch eine Runde übers Gelände mit einem Golfcart mit mir.

Der Tag fing schräg an und endete super.