Schwere Unwetterwarnung für Niederösterreich. Gegen 3:00 Uhr fing es kräftig an zu blitzen – es war Gottseidank in meiner Ecke nur ein Wetterleuchten – mit ein paar Tropfen Regen. Hat mir aber doch fast 2h Schlaf geraubt.

Nach 35 km erreiche ich kurz hinter Bratislava den Donauradweg – erstmal 25 km öde geradeaus auf dem Hochwasserdamm – höllisch heiß – ca. 20 km vor Wien rettet mich „Hermi‘s Radlertreff“ vor der Austrocknung.

Werde heute in Wien übernachten – ein bisschen Großstadt und die Aussicht auf ein gutes Schnitzel, sowie ein Hotelbett geben mir den nötigen Schwung für die kommenden Hitzekilometer.

„König von Ungarn“- unmittelbar hinterm Stephansdom – da waren wir 1986 für ein langes Marathonwochen-ende.

Exzellente Radwege machten es sehr einfach von der Donau weg ins Zentrum zu rollen.

Ist nie so ganz schön mit einem vollgepackten Rad in eine Großstadt – mit vielen Touristen zu fahren – wirkt immer so ein bisschen „störend“.

Hat sich trotzdem gelohnt 🙏

Gestern Abend noch 28 Grad in der Wiener Innenstadt – grenzwertig.

Angenehm kühles Zimmer – guter Schlaf und ein gepflegtes Frühstück liegen hinter mir, als ich gegen 1/2 8 Uhr Wien verlasse.

Das großzügige Radwegesystem lässt stressfreies Radeln zu. Kleiner Wermutstropfen es geht stetig bergauf bis ich nach ca. 15 km richtig draußen bin.

Ich habe mich für einen Abstecher an den Neusiedlersee entschlossen – rund 65 km – auch um der Nachmittagshitze zu entgehen.

Die Leithaberge im Blick radle ich nach Südosten – ein mäßiger Gegenwind sorgt für angenehme Kühlung.

In Hof am Fuße der Leithaberge gönne mich mir eine „schattige Pause“ und stärke mich für den „Aufstieg“.

Mit ein bisschen Plagen kam ich gut drüber – von der Kuppe war erstmals der Neusiedlersee zu sehen. Nach flotter Abfahrt durch die Burgenländer Weinregion war Rust nicht mehr weit.

Storchencamp ist eine riesige Anlage – auf der Zeltwiese war Platz für mich. Zum Abkühlen bot sich das Ruster Schwimmbad an – habe ich ausgiebig genutzt.

In einem gut besuchten und chicen Restaurant lasse ich den Tag am Seeufer (bei 35 Grad) ausklingen.

Neusiedlersee ein wahres Mückenparadies. So gequält wie in der vergangenen Nacht wurde ich noch auf keiner Tour.

Bis weit nach Mitternacht hat es in meinem Zelt um die 30 Grad – da musst du ab und zu die „Tür“ aufmachen und sofort wirst du attackiert – die ganz Dreisten suchen sich einen Platz im Zelt.

Kurz nach fünf hatte ich die Schnauze voll – alles eingepackt – allerdings noch nicht bezahlt – und los ging es. Mal sehen wie ich das im Nachgang geregelt kriege.

Kurz vor 7 Uhr bin ich nach Ungarn gekommen. Viertes Land auf dieser Tour – mit dem Rad war ich noch nicht da.

Kämpfe mich fast 250 Höhenmeter (nüchtern) nach Sopron. Das Frühstück kam dann absolut zur rechten Zeit. Meine Route geht jetzt nach Westen in Richtung Graz – spätestens dort wird es von der Wetterprognose abhängen, ob ich weiter nach Süden fahre – morgen/übermorgen ?

Kurzes Gastspiel in Ungarn – nach 20 km bei Neckenmarkt bin ich schon wieder in Östetreich.

Schöne Weinlandschaft hier – Burgenländer Blau-Fränkisch soweit das Auge über die Hügel reicht.

Für ein Probeschlückchen ist es zu heiß und zu früh – aber eine andere Spezialität der Region geht.

Palatschinken

Heute gab es wenig Flaches – steil runter und gleiches auf der anderen Seite wieder rauf, inclusive zweier Schiebestücke.

Auf der Abfahrt nach Lockenhaus sehe ich rechts das örtliche Schwimmbad – voller Einkehrschwung und herrlich erfrischt wieder weiter.

Ich bin auf einer Höhe zwischen 300 und 500 Meter, da ist es nicht mehr ganz so drückend. Zum Nachmittag trübt es sich sogar etwas ein.

Es regnet tatsächlich einige Tropfen und ich quäle mich auf 540 Meter hinauf – belohnt mit einer langen Abfahrt.

Ich habe mich im Burghotel Schlaining einquartiert – natürlich liegt das Hotel ganz oben neben der Friedensburg Schlaining (sh. Wikipedia) – ich komme um eine erneute Schiebeeinlage nicht herum.

Interessanter und sehr anstrengender Radtag mit 1000 hm überwiegend im Burgenland – gefällt mir landschaftlich total gut.

Meine Schulden im Storchencamp in Rust habe ich mittels SEPA-Überweisung bezahlt.

Gut ausgeruht geht’s weiter. Wieder einmal ändere ich meine Route. Fahre nicht nach Graz sondern erstmal weiter nach Süden. Bad Radkersburg an der slowenischen Grenze könnte mein Tagesziel sein.

Dazwischen liegen 100 km und viele Höhenmeter. Das erste Hindernis gab es schon nach 10 km. Radweg definitiv nicht passierbar.

Ich kam gut voran – wusste aber aus der Komoot-Streckenplanung dass mich vier „Peaks“ herausfordern.

Schon am Zweiten war eine 16% Passage – herausfordernd auch ohne 35 kg Gepäck. Also Schiebeeinlage – kostet auch Körner.

Bei Halbzeit war ich in Fürstenfeld – kennt jeder: STS – I will wieder hoam …

Also mit Ohrwurm weiter gefahren – gegen 14 Uhr war mein Fahrradthermometer bei 40 Grad.

Klare Entscheidung: Hotel in Bad Radkersburg mit Thermenzugang.

Habe heute mal überschlägig meinen Flüssigkeitshaushalt gecheckt: 5-6 Liter

Gottseidank gibt es in Österreich in jedem Dorf ein Wirtshaus.

Peak 4 war die slowenische Grenze – mein fünftes Land auf dieser Tour – habe ich wieder schiebend erreicht (14%).

In Slowenien bin ich mehr oder weniger rund 25 km bergab zur österreichischen Grenze gerollt.

Bad Radkersburg an der Mur – Grenzort / heute Stadtfest 👍

Mein Hotel ist ein Glücksgriff – direkten Zugang zur Therme – eine Stunde im Wasser – davon 20 min im 36 Grad warmen Heilwasser. Sauber und fit – so verkraftet man auch 100 km Radfahren mit 800hm ganz locker.

Kleiner Wermutstropfen – als ich gegen 1/2 9 auf den Hauptplatz zum Abendessen gehe – Hölle los – plötzlich ein Knall und Stromausfall im ganzen Zentrum.

Sitze jetzt – ganz romantisch – in einer schnuckeligen Weinbar und lasse mir ein Viertel schmecken. Geht auch ohne Abendessen – gibts halt ein paar Nüsschen.

Heute Morgen hatte ich keine Lust auf Radfahren – beim Frühstück in diesem großen Vital-Hotel nervte mich das Gedrängel am Buffet – ich selbst fühlte mich auch nicht wirklich gut.

Habe rumgebummelt und bin erst um zehn Uhr losgefahren. Von der Hitze will ich garnicht mehr reden – die ist Fakt.

Bei Temperaturen weit über 30 Grad verzichte ich auf Camping und erhole mich nach einem Radtag in gekühlten Räumen und unter einer sauberen Dusche.

Offen war bis Mittag wie ich weiterfahre: dem Murradweg folgend über Graz nach Norden oder eher nach Süden, nach Maribor an der Drau.

Auf der slowenischen Seite der Mur habe ich mitten im „nowhere“ Jessica getroffen – ein Mädel aus Schottland, die sich vor drei Monaten mit dem Rad von zu Hause auf den Weg gemacht hat. Heute letzter Tag nach Maribor zu Freunden.

Der kurze small-talk, über das woher / wohin ist für mich immer inspirierend.

In Spielfeld musste ich mich dann entscheiden und bin nach Slowenien abgebogen.

Meine Route ging in Sichtweite zur Autobahn – der Stau der Kroatienurlauber in Richtung Norden war sicher 20 km lang – bei guten 35 Grad.

Gegen 17 Uhr war ich in Maribor – hatte unterwegs häufiger Trinkpausen und ein „schattiges Nickerchen“ eingelegt.

Die europäische Kulturhauptstadt 2012 ist wirklich sehenswert. Mein Hotel ist direkt an der Uferpromenade der Drau und ich genieße den warmen Samstagabend.

Was mir hier im Südosten Europas auffällt sind zwei Dinge: 1) es wird sehr viel geraucht und 2) es wird extrem schnell und aggressiv Auto gefahren.

Empathie und Freundlichkeit im Alltag ist auch nicht gerade überbordend. In den Hotels wo ich bisher war, war das Personal auffallend höflich und hilfsbereit auf den Campingplätzen eher nicht.