127 km / 450 hm / 7:29 h – Gesamt 1168 km / 5025 hm / 68:57

Als ich das nette Café verlassen hatte, gut gestärkt und ordentlich aufgewärmt wurde mein Wunsch sukzessive erhört. Es hörte zu regnen auf und im Laufe des Nachmittags wurde es richtig schön und jetzt ist ein zwar kalter aber wunderschöner Abend mit herrlichem Licht. Das war schon ganz viel Astrid Lindgren-Landschaft heute.

Bei einem Zwischenstopp gab es den ersten Umfaller meines Rades, als ein Ziegenbock unbedingt auf den „Blauen Elefanten“ aufsteigen wollte, der ist vielleicht erschrocken als das Rad umfiel, ich nicht viel weniger, mit den Taschen ist jedoch ein relativ großer Schutz für die „verletzlichen Teile“ vorhanden.

Gelandet bin ich hier in Vassbacken auf einem großen Campinggelände (noch weitgehend leer) welches witzigerweise von einer ausgewanderten deutschen Familie betrieben wird. Schlafen werde ich in einem der netten Häuschen, ist doch etwas trockener als im Zelt und vielleicht auch wärmer.

Die Gegend am Göta-Kanal ist bei den Schweden sehr beliebt, da wird im Sommer gepaddelt, gerudert, Boot gefahren, geradelt und auch nur einfach rumgesessen. Wen der Göta-Kanal interessiert, mal googeln, das ist eine interessante Geschichte.

Hier kommen jetzt einige Impressionen heute von entlang der Strecke.

 

Heute mal ein kurzer Bericht zwischendurch, quasi fast live !

Dem Regen geschuldet mache ich nach 50 km hier am Vänersee in Lidköping eine ausgedehnte Wärme- und Trockenpause in einem netten Kaffee. Bei acht Grad bin ich durch eine sehr ansprechende Landschaft „gepflügt“, der Regen und die Kälte verderben mir aktuell ein bisschen den „Spaß an der Freude“. Auf „Beißen“war ich eigentlich erst ganz im Norden eingestellt !

Ich habe mich gerade ausgiebig am Mittagsbuffett entschädigt, das ist hier in Schweden weit verbreitet und eine Spielart des „all-you-can-eat“. Die nette junge Dame hat mir die Spielregeln erklärt, die passen genau für einen nassen und durchgefrorenen Radfahrer.

Die Prognosen sehen eigentlich trockenes Wetter vor, wünschen würde ich mir das jetzt auch ziemlich arg.

So heute Abend ggf. mehr !

 

137 km / 801 hm / 7:54 h – Gesamt 1039 km / 4575 hm / 61:28

Bereits um 6:30 Uhr frühstücke ich im Starbucks am Göteborger Hauptbahnhof (war als einziges Café offen um diese Zeit) und verlasse die Stadt auf dem bestens ausgebauten und markierten „Sverigeleden“.

Der Sverigeleden ist eine Radfernroute die ganz Schweden durchzieht und auch in wesentlichen Teilen von mir befahren werden wird. Darunter darf man sich jetzt nicht einen ausgebauten Radweg (wie z.B. den Mainradweg) vorstellen, auch wenn das im Großraum Göteborg tatsächlich so ist.

Es dauerte nicht allzu lange bis sich ein heftiger schwedischer Landregen einstellte und ich mir, wie fast schon die ganze vergangene Woche, die komplette Regenkluft anziehen musste.

In Skepplanda „landete“ ich zielsicher nach rund 60 km im Café Molin. Jonas ein junger Schwede hat sich vor rund 2 1/2 Monaten dort seinen Traum vom eigenen Café erfüllt, bei knapp 2000 Einwohner sicher ein mutiger Schritt, der Capuccino war jedenfalls exzellent, die süßen Stückchen und das Sandwich deckten meinen Kalorienbedarf, so dass ich mich nach reger Unterhaltung auf die Weiterfahrt machen konnte.

Im Tagesverlauf nahm der Regen sukzessive ab, bis nur noch einzelne Schauer herunter prasselten, da ist man schon mal mit einer kleinen Unterstellhütte zufrieden.

Kurz bevor sich die ersten Fleckchen blauer Himmel zeigten, gab es ein heftiges Knacken, im Wald durch den ich gerade fuhr, und eine mächtige Elchkuh wollte sich wohl mal dem „Blauen Elefanten“ zeigen. Ich bin total erschrocken vor allem auch über die doch sehr stattliche Größe dieses Tieres. Für ein Foto hat es leider nicht gereicht.

Die ersten 1000 km habe ich ganz nebenbei heute auf meiner Tour absolviert.

Für die Geographie-Interessierten, der heutige Tag hat sich ausschließlich im Västra Götalands län abgespielt. Grästorp liegt etwas unterhalb des Südendes des riesigen Vänersees.

 

60 km / 250 hm / 4:44 h – Gesamt 902 km / 3774 hm / 53:34 h

Göteborg mit dem Rad in alle Richtungen zu befahren ist sehr einfach. Die Stadt ist perfekt beschildert und mit Fahrradspuren ohne Ende ausgestattet.

Rund um den riesigen Hafen muss man schon ein echter Industrie-Freak sein. Einen Gruß aus der Heimat konnte ich dabei allerdings nicht übersehen.

Cool war es über die Älvsborgsbron zu fahren, die das Tor zum Hafen darstellt und fast einen Kilometer Spannbreite hat.

Einen Großteil des Nachmittags haben ich in dem sehr schönen Park Slottskogen verbracht, das ist quasi der Englische Garten von Göteborg und bietet Läufern, Inlinern und Radfahrern alle Möglichkeiten sich zu bewegen.

Göteborg hat sich mir in den zwei Tagen nicht so erschlossen, wie seinerzeit Porto oder Danzig und Helsinki im vergangenen Jahr, trotz der rund 60 km die ich in der Stadt herumgeradelt bin.

Was mir hier in Göteborg aufgefallen ist, die Schweden telefonieren noch leidenschaftlicher als die Italiener, kaum eine(r), die (der) nicht mit dem Stöpsel im Ohr vor sich hinplappernd unterwegs ist, egal ob im Supermarkt oder auf der Straße. Sportkleidung und Turnschuhe (Nike Free) sind vor allem bei den Damen total angesagt, unabhängig davon, ob man tatsächlich sportlich unterwegs.

Morgen mache ich mich auf den Weg, habe heute gemerkt, dass mir zwei Tage Großstadt aktuell genug sind.

 

Nach sehr angenehmer und ruhiger Überfahrt bin ich pünktlich in Göteborg angekommen. Meine Kabine teilte ich mir mit einem sehr netten norwegischen Motorradfahrer, der gerade von einem Motorradtrip von Molde nach Istanbul auf dem Heimweg ist. Es beruhigt mich immer, dass es auch in anderen „Disziplinen“ Verrückte gibt.

 

Wie es sich gehört bin ich als einziger Radler auf der Riesenfähre als Erster aus dem Rumpf hinausgefahren.

In aller Ruhe bin ich am Kai entlang in Richtung Zentrum geradelt, habe mich mit schwedischen Kronen eingedeckt (100 skr = rd. 10 €) und mir erstmal in einem gemütlichen Café ein kleines Frühstück gegönnt.

Der nächste Tagesordnungspunkt war die Quartiersuche. Meine Internetrecherche führt mich auf die Seiten der sogenannten „Vandrarheme“, ' das ist in Schweden eine gelungene Mischung aus Hotel, Hostel und Jugendherberge.

Ziemlich zentrumsnah habe ich mich für zwei Nächte im „Slottskogens Vandrarhem“ einquartiert. Ich habe ein prima Zimmer (nagelneu), die Leute sind total nett und alles drumherum ist sehr passend. Es ist lange her, dass ich mein Bett selbst bezogen habe, hat aber geklappt (ich war schließlich bei der Bundeswehr).

Pfingstmontag gibt es in Schweden wohl nicht, die Leute gehen alle ihrer Arbeit nach. Auf einer ersten Runde durch die Stadt (rd. 500 Tsd. Einwohner) habe ich mir mit dem Rad einen groben Überlick verschafft. Die Stadt kann man wohl eindeutig als maximal fahrradfreundlich bezeichnen, breiteste Radspuren und absolute Vorfahrt. Die Autofahrer gucken ganz merkwürdig, wenn man zögerlich an einen Übergang heranfährt. Na ja, sicher ist sicher, da gucke ich lieber zweimal.

Zum Ullevi-Stadion musste ich natürlich auch, wer von den Lesern weiß, welche schwedische Fußballlegende als Denkmal vor dem alten Stadion steht, hat nach meiner Rückkehr einen Capuccino verdient (den kennen wahrscheinlich nur noch die „Alten“).