Langsam werden meine Beine zappelig vom Nichtstun. Das einzige Schiff geht halt leider erst morgen Abend.

Ziehe heute um in ein B&B – heißt Eagle Bluff Lighthouse – direkt an der Waterfront, total schön da.

Im Moment regnet es wieder mal mächtig, das gehört zu Prince Rupert fest dazu. Es ist einer der regenreichsten Plätze im Nordwesten von Kanada.

Später werde ich einige Einkäufe tätigen und mal wieder den Luftdruck in meinen Reifen checken. Ist garnicht so einfach, die US- und kanadischen Systeme sind mir ein bisschen rätselhaft. Habe aber bisher immer jemand gefunden der mit geholfen hat.

In der Tat wurde mir in einem Reifenhandel (Auto wohlgemerkt) super freundlich geholfen. Ich stelle mir gerade vor, wie ein Ausländer ein bepacktes Fahrrad bei einem deutschen Reifenhändler in die Werkstatt schiebt !!!!

Nachmittags bin ich ein wenig herum geradelt. In Dolly’s Fish Market habe ich mich für den Trip mit der Fähre morgen gestärkt.

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Um 11:30 Uhr startet meine Tour zu den Grizzlies. Die „Inside Passage“ ist ein schickes Boot für rund 100 Personen und etwa zu 2/3 besetzt.

Es ist ein perfekter Tag, das Wetter ist ausgezeichnet. P.R. ist einer der regenreichsten Plätze in Kanada, aber heute bleibt es trocken.

Wir fahren rund 7 h durch die unzähligen Inlets, Buchten und Verzweigungen.

Natürlich sehen wir Grizzlies, aus sicherer Entfernung vom Schiff aus. Trotzdem nahe genug und die an Bord verfügbaren Ferngläser zeigen die Details. Ein Pärchen trottelt spielerisch dahin, ab und zu raufen sie ein bisschen, später fordert die Natur ihr Recht und sie zeigen uns einen „live-act“.

Die Fotos sind keine Fakes, mit dem IPhone kann ich in dieser Qualität nicht liefern. Habe mir vom Kapitän einige geben lassen, die er mit einem Super-Tele geschossen hat.

Kurz vor Prince Rupert gab es noch eine Flugshow von ca. 30 Seeadlern, die wissen wenn das gelbe Boot reinkommt, da gibt es was zu futtern. Der Hammer 👍

War ein wirklicher toller Ausflug – natürlich wirst du nach sieben Stunden maximaler Landschaft und Natur auch etwas müde.

Für morgen habe ich mir noch ein neues Quartier im Eagle Bluff B&B direkt an der Marina besorgt. Im Pioneer hätte ich für die letzte Nacht in ein 4er-Zimmer umziehen müssen, was ich nicht wirklich wollte.

Pech hatte ich gestern, als ich mit Schrecken bemerkt habe, dass ich wohl eine meiner Kreditkarten verloren habe. Dumm gelaufen – Karte sperren lassen. Nochmal sollte es nicht passieren, dann könnte es eng werden mit der Geldbeschaffung.

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Lange Ausschlafen, warm Duschen, ausgiebig Frühstücken, das sind die Unterschiede zu einem Radtag.

Habe ein bisschen Prince Rupert erkundet, das ganze Wochenende ist „Seafest“, da wird jede Menge auf der Straße geboten. Von Hockey- und Soccerturnieren für die Kids über jede Menge zu essen, von all den unterschiedlichen Nationalitäten hier in Prince Rupert. Alles ziemlich laut mit viel Remmidemmi bis hin zu einem „Beergarden“ mit sehr viel Alkohol.

Für Sonntag habe ich mir einen Tagesausflug auf eine nahegelegene Insel gebucht, auf welcher garantiert Grizzlies zu beobachten sind.

Am Nachmittag bin ich ein wenig aus der Stadt hinausgeradelt und habe eine wunderschöne, etwa 1 1/2 stündige Wanderung auf einem Trail im Regenwald gemacht. Leider war an den „Butze Rapids“ gerade Low Tide, sodaß die Stromschnellen jetzt nicht ganz so „amazing“ waren, wie beschrieben.

Lasse jetzt gleich den Abend mit lokaler Seafood ausklingen. Auf dem Heimweg werde ich sicher auch noch ein Bier im oben erwähnten Biergarten trinken.

Die kleine lokale Brauerei macht u.a. ein „Spruce Dog“ genanntes Bier, da werden die jungen Triebe der Küstenfichte mit verarbeitet.

Aus Spruce wurde schon zu Goldgräberzeiten Bier gebraut.

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Heute ist mein 66. Geburtstag. Es ist wohl mein gefühlt längster Geburtstag. Während schon die ersten Glückwünsche eintrudeln via SMS, WhatsApp, Facebook und Mail bin ich ja noch kalendarisch am 7.6. Mein Telefon bleibt still, da außer meiner Familie kaum jemand meine US-Mobilnummer kennt. Vielen Dank auch nochmals auf diesem Wege an alle, die an mich zum Geburtstag gedacht haben.

Die Alaska Inside Passage von Skagway mit der aktuell einmal pro Woche verkehrenden Fähre nach Prince Rupert in Kanada zu fahren ist sehr angenehm. Das Schiff ist kaum besetzt und so ist es ein entspanntes Dahingleiten durch eine bezaubernde Naturlandschaft.

Ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit macht sich breit, dass ich mir dies alles zeitlich, körperlich und materiell leisten kann. Ein besonderer Dank gilt dabei Marion, dass sie akzeptiert, dass ich so viele Wochen, mein eigenes Ding mache. In einer guten Woche werden wir uns ja auf Vancoucer Island bei unserem Sohn Julian treffen. Darauf freue ich mich nach einem Monat „Einsamkeit auf der Straße“ natürlich sehr.

Leider sind die Fährpläne von Alaska Ferries und B.C. Ferries um diese frühen Termine in der Sommersaison nicht wirklich abgestimmt. Das bedeutet für mich bis kommenden Dienstag auf meine Weiterfahrt mit dem Schiff nach Port Hardy warten zu müssen. Die Alternative wären rund 1500 Kilometer auf der Straße, das wären mindestens zusätzliche 2 – 2 1/2 Wochen sehr anspruchsvolles Radfahren. Also keine wirkliche Alternative im Hinblick auf mein Endziel San Francisco.

Leider konnte ich mich von Liz und Charlie nicht verabschieden, irgendwie haben wir uns bei der Immigration aus den Augen verloren.

Im Pioneer Inn hier in Prince Rupert bin ich nun bis Dienstag einquartiert. 12.6. gegen 20 Uhr geht das Schiff nach Port Hardy.

Mein Dinner hier in einem coolen Pub mit frischer Seafood lässt die Wartezeit nicht ganz so lange erscheinen.

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Beim Einchecken treffe ich Liz und Charlie, ein US-Pärchen, die in Fairbanks gestartet sind und von Banff aus die „Great Divide“ nach New Mexico fahren. Beide waren immer so ein bis zwei Tage hinter mir unterwegs und hatten schon gehört, dass vor Ihnen ein deutscher Radler unterwegs ist. Sie wollen bis Ende September ankommen.

Sie richten sich auf dem überdachten Oberdeck häuslich ein, während ich meine Kabine beziehe. Da macht sich dann doch der „Convenience-Anspruch“ eines in die Jahre gekommenen Bikers bemerkbar.

Als ich morgens aufwache, sind wir in Juneau der Hauptstadt von Alaska vor Anker. Die City ist ca. 20 km vom Hafen entfernt, so dass es keinen Sinn gibt, das Schiff zu verlassen.

Meinen Morgenkaffee genieße ich auf dem Aussichtsdeck. Es ist einfach beeindruckend. Gegen 9 Uhr geht es weiter – nächster Stopp Petersburg.

Nach den Radkilometern ist es sehr angenehm ohne eigenes Zutun vorwärts zu kommen. Das langsame Dahingleiten in einer einzigartigen Natur ist einfach nur Genuss, zumal das Schiff max. zu einem Drittel gefüllt ist.

Nicht lange nach dem Ablegen in Juneau zeigt sich auch schon der erste Wal, es bleibt nicht der einzige an diesem Tag.

Regen und Sonne wechseln sich schön regelmäßig ab, auf dem Schiff ist das nicht so elementar, wie die letzten Wochen auf dem Rad.

In rund 24 Stunden wird das Schiff in Prince Rupert ankommen. Nachdem Marion heute in Victoria angekommen ist, sind wir dann drei von vier Guderleys, die in British Columbia sind.

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