Hann. Münden – Tag 2 – Dienstag, 14. Mai

128 km / 546 hm / 7:24 h – Gesamt 280 km / 1835 hm / 16:06 h

Die gute Nachricht ist, dass es nur noch gut drei Stunden geregnet hat, die schlechte Nachricht, es ist immer noch saukalt, ohne Handschuhe, Mütze und mehrere Lagen Kleidung geht nichts.

Heute stand Fuldaradweg satt auf dem Programm, über Rotenburg (bekannt durch den Kannibalen), Melsungen (spielen Handballbundesliga) und Kassel ging es nach Hann. Münden. Das malerische Städtchen gehört schon zu Niedersachsen und liegt am Zusammenfluss von Fulda und Werra, die hier die Weser bilden.

Dazu gehört der berühmte Weserstein mit der Inschrift „Wo Werra sich und Fulda küssen Sie ihre Namen büssen müssen, Und hier entsteht durch diesen Kuss Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss“

Außerdem gab es immer wieder wahre Rapsorgien, sowohl farblich wie auch gerüchlich. Entlang der Fulda wird trotz des nicht so einladenden Wetters kräftig geradelt, unglaublich wieviele Pedelecs bereits unterwegs sind.

Morgen wechsle ich auf den Weserradweg der mich weiter nach Norden bringen wird.

 

Bad Hersfeld – Tag 1 – Montag, 13. Mai

152 km / 1289 hm / 8:42 h – Gesamt 152 km / 1289 hm / 8:42 h

Der erste Tag ist gefahren.

Pünktlich um 8:30 Uhr habe ich die Ringofenstraße verlassen und nach rund 500 Höhenmeter die Landkreisgrenze Aschaffenburg hinter Geiselbach erreicht. In Gelnhausen bin ich richtig „eingesaut“ einen Kaffee trinken gegangen und dann weiter mit stetigem Auf- und Ab über Schlüchtern nach Fulda geradelt.

Die Regenklamotten sind heute komplett zum Einsatz gekommen und haben ihre Nordkap-Tauglichkeit bewiesen. Also mit viel schlechterem Wetter rechne ich ganz im Norden auch nicht. Das Thermometer war kaum im zweistelligen Bereich und der Regen ziemlich durchgängig. Erst gegen den späten Nachmittag wurde es etwas freundlicher, was Hoffnung für den morgigen Dienstag gibt.

Eigentlich war so gefühlt nach 120 km Schluß, aber den Montag hat in Deutschland der Teufel gesehen, überall wo ich rein wollte hieß es „Heute Ruhetag“.

Na ja wie immer gibt es eine Lösung dann eben nach 150 km. In Bad Hersfeld bin ich im Romantik Hotel Stern zu sehr radlerfreundlichem Tarif untergekommen. Nettes Haus und ein prima Restaurant.

Nach der nassen Premiere ein sehr versöhnlicher Abschluss. Bilder gibt es heute nicht, da ich keine Lust hatte diese „graue Suppe“ zu fotografieren. Vielleicht dann morgen.

Goldbach – Tag 0 – Sonntag, 12. Mai

Alles ist gepackt und verstaut und findet seinen angestammten Platz auf dem „Blauen Elefanten“. Trotz harter Selektion sind knapp 30 kg an Gewicht zusammengekommen. Mit Essen und Trinken werde ich wahrscheinlich rund 35 kg jeden Tag in Richtung „Europa – ganz nach oben“ bewegen.

Morgen zwischen 8 Uhr und 9 Uhr verlasse ich Goldbach über einige Spessarthöhen, um später ins Kinzigtal hinabzufahren und weiter in Richtung Fulda meinen ersten Radtag zu absolvieren.

Die Spannung und die Vorfreude steigt, wiewohl die Eisheiligen morgen gleich einen durchwachsenen Tag signalisieren.

Vorbereitungsphase

In gut 5 Wochen geht es los – Nordkapp – Teil 2 meiner Europaroute. 4000 km bin ich 2010 von Gibraltar nach Hause gefahren. Jetzt folgt der Anschluß von zu Hause aus in den hohen Norden Europas. Mit breitem Daumen gerechnet dürften das etwa 3500 km werden bis ich auf dem stürmischen Felsen stehen kann.

Rund 1500 km habe ich in den vergangenen Wochen mit diversen Rädern zurückgelegt. Richtig fit bin ich sicher noch nicht, das wird sich auf den ersten 1000 km dann von selbst ergeben.

Die grobe Route habe ich wie folgt vor Augen, an Fulda und Weser entlang nach Norden und in einem Rechtsbogen über die Elbe nördlich an Hamburg vorbei nach Kiel, dort sollte ich nach rund 850 km ankommen. Schiffspassage nach Göteborg und weiter runde 2000 km durch Schweden, ein kurzer Abstecher durch Finnland und die letzten 300 km ganz nach oben in Norwegen. Irgendwann rund um Mittsommer sollte ich dann am Ziel sein.

Über den Rückweg mache ich mir zu gegebener Zeit meine Gedanken, da wird es sicher einen Mix aus Schiff, Bahn, wenn nötig Flugzeug und einigen Radabstechern geben.

In der ersten Hälfte Juli möchte ich gerne wieder im heimischen Goldbach sein.

25.8. Fazit Sommertour 2012

Es ist wie immer ein komisches Gefühl, wenn etwas, was einen sehr lange beschäftigt hat im Vorfeld, plötzlich Vergangenheit ist.

Ich habe insgesamt vierzig sehr intensive Tage erlebt und dabei nie das Gefühl von Langeweile oder gar Einsamkeit gehabt.

Meine Erwartungen an Länder, Städte, Menschen und Landschaften wurden in großem Maße erfüllt. Die Bilder die ich so im Kopf hatte, speziell was die Natur im Baltikum betrifft wurden deutlich übertroffen.

Ich hatte wahnsinnig viel Glück, überwiegend bestes Radwetter, gerade mal zwei Tage Regen und den nicht einmal ganztägig. Keine einzige Panne !! Nur ein kleiner Hinfaller im Sand in Estland.

Keinerlei Bedrohungen oder gefährliche Momente in der Begegnung mit Menschen. Drei Hundeattacken, davon eine ziemlich grenzwertig.

Es gab sicher einige brenzlige Situationen im Verkehr, aber selbst die berüchtigten polnischen LKW-Fahrer waren faire Partner auf der Straße.

Natürlich sind rund 250 Stunden Radfahren nicht in jeder Minute lustig, da gab es Phasen, wo ich mich richtig gequält habe, aber überwiegend war es Vergnügen.

Mein „Blauer Elephant“ hat sich bestens bewährt. Einige kleine Anpassungen werde ich mit Tino Hasenstab diskutieren. Vielen Dank nochmal an alle, die ihr Scherflein dazu beigetragen haben.

Die Highlights waren sicher die gigantische Natur, hunderte Kilometer menschenleerer Strände, die beiden estnischen Inseln Saarema und Hiiumaa und der litauische Teil der Kurischen Nehrung.

Begeistert haben mich im städtischen Bereich Helsinki und Danzig. Tallinn ist ebenfalls sehenswert. Riga ging nicht so an mich und Kaliningrad fand ich eher „schräg“. Als Perle würde ich Tartu in Estland, das ehemalige Dorpat bezeichnen, wer Remmidemmi an Stränden mag der ist mit Palanga (Litauen) und Sopot (Polen) aber auch Pärnu (Estland) gut bedient. Klaipėda und Ventspils waren okay, aber nicht aufregend.

Mit Ausnahme der russisch dominierten Welt in Estland und dem sog. Kaliningrader Gebiet bin ich meist auf sehr aufgeschlossene und hilfsbereite Menschen gestoßen. Die Generation der unter 40-Jährigen konnte in allen Ländern ordentlich Englisch, so dass eine Verständigung unproblematisch immer möglich war.

Der Einkauf der täglichen Grundbedürfnisse wie Wasser, Obst, Kuchen und sonstige Lebensmittel war völlig problemfrei, fast überall konnte alles zu jeder Zeit gekauft werden.

Ich habe diesmal einen guten Mix aus Hotel- und Zeltübernachtung hinbekommen. Klar dass ich gerade bei den „freien Tagen“ in den großen Städten im Hotel war. Insgesamt habe ich 11x gezeltet. Die Zeltvariante ist zweifelsfrei die wesentlich stärkere kommunikative Variante.

Ich hatte keinerlei gesundheitliche Probleme über die ganze Tour.

Es hat Spaß gemacht quasi als „eigenes Tagebuch“ zu bloggen, wohl wissend, dass weit über 100 Leser zu Hause meine „Taten“ mit echtem Interesse verfolgt haben.

Danke für alle Kommentare und E-Mails, das ist immer echte Motivation.