MRT 2023 – 02.06. – Fr – Tag 22

Chester IL – Cape Girardeau MO —> 91 km Gesamt: 1522 km

Gut ausgeruht starte ich in einen Tag der wieder hohe 30 Grad Temperaturen verspricht.

Die ersten Meilen durch Chester und über die enge MR-Brücke ist sehr viel Verkehr. Die Brücke ist knapp einen Kilometer lang und ich setze mich einfach mittig auf meine Fahrspur. Geduldig und ohne Hupen folgen mir die Fahrzeuge.

Relativ flott geht es bis Perryville – leider bekomme ich unterwegs eine Absage von meiner Warmshowers-Anfrage. Beim Frühstück in Perryville checke ich meine Optionen und finde bei AirBnB ein ansprechendes Angebot.

Zehn Minuten später ist alles unter Dach und Fach. Tom Neumeyer wird mein Gastgeber in Cape Girardeau heute Abend sein. Dazwischen liegen noch rund 60km und ca. 600 Höhenmeter durch das sehr wellige Farmland hier in Missouri.

Irgendwann bei einer Abfahrt macht mein Hinterrad merkwürdige Geräusche. Ich suche mir ein schattiges Plätzchen vor einem Haus und baue das Hinterrad aus. Anscheinend hatte ich beim Plattenflicken vorgestern, das Rad nicht sauber eingesetzt. Habe erstmal dreckige Hände – aber das Problem ist gelöst.

Es ist mächtig heiß und so bin ich ziemlich glücklich als ca. 20 km vor dem Ziel ein schönes mexikanisches Restaurant auftaucht. Ein kleiner Salat und ein großes Bier – das amerikanische Lightbeer ist wie ein Sportgetränk.

Es stehen tolle Häuser im Einzugsbereich von Cape Girardeau. Die Stadt ist bekannt für ihre „murals“ entlang des MR.

In Cape Girardeau angekommen empfängt mich Tom in seinem über 100 Jahre alten Haus. Sehr gute Entscheidung – schönes Zimmer – netter Host.

Heute habe ich Lust auf ein gutes Steak – das muss dann auch sein. Später gehe ich mit Tom noch zu einem kleinen „Open air“ in der Nachbarschaft.

MRT 2023 – 03.06. – Sa – Tag 23

Cape Girardeau MO – Columbus Belmont State Park KY – 98 km Gesamt: 1620 km

War ein super Aufenthalt bei Tom Neumeyer. Mein Frühstück im Diner um die Ecke darf ich nicht bezahlen – wird von einer Männerrunde gesponsert.

Ich bin um 7:00 Uhr schon auf der Straße – verlasse Missouri über erneut eine sehr große Brücke – gut zu fahren so früh am Samstagmorgen.

Die ersten zwei Stunden fliegen auf sehr ruhigen Countryroads nur so dahin. Stoppe kurz bei einer Begegnung mit einem Rennradfahrer (Name nicht gemerkt).

Auf dem Weg nach Cairo wird es wieder sehr heiß – Cairo, da wollten Huck Finn und Tom Sawyer hin – für ein besseres Leben. Heute ist es ein ziemlich trauriger Ort. Ich zeige Euch mal ein paar Bilder dazu.

Hier fließt der Ohio River mit dem MR zusammen. Ich muß auf einer äußerst engen Brücke über den Ohio River – geschätzt 2 km. Im Internet wird empfohlen sich shutteln zu lassen oder auch die Polizei um „escort“ zu bitten.

Beides ist gerade nicht verfügbar – was habe ich gelernt – meine Spur so zu besetzen, dass ich nur über die Gegenfahrbahn passiert werden kann. Ziehe schon eine Schlange hinter mir her – aber es wird nicht gehupt. Ist ja nicht die erste „Monsterbrücke“ in meiner Radler-Laufbahn. Konnte leider nicht stoppen für ein Foto, da hätten sie mich gelyncht.

Nach der Brücke bin ich in Kentucky – Staat Nr. 6 auf der Tour. Bald geht es auf relativ ruhigen Straßen die letzten 20 Meilen zum Columbus-Belmont State Park (der Ort spielt eine Rolle im Civil War – bei Interesse bitte googeln).

Der Camp Host Bill ist super nett – wir fahren mit dem Cart – ich darf mir einen Platz aussuchen und darf nichts dafür bezahlen.

Am Abend muss ich unbedingt einen Bourbon mit ihm trinken und einen Hamburger essen – so ist das in Kentucky.

War ein heißer und anstrengender Radtag – nach einer Woche klappt es wieder mit Camping – und echt super.

MRT 2023 – 04.06. – So – Tag 24

Columbus-Belmont Campground. Erzwungener Ruhetag

Sehr unangenehme Überraschung heute morgen – ich kann nicht weiter fahren.

Vermutlich ist mein Freilauf kaputt – was sich gestern schon angedeutet hat. Ich kann pedalieren – bekomme aber keinen Antrieb.

Bleibe heute – Sonntag – hier auf diesem tollen Campground – Bill wird mich morgen nach Dyersburg in Tennessee oder nach Paducah KY fahren – wo es mehrere BikeShops gibt. Hoffe auf eine fachkundige Lösung für die Weiterfahrt.

Soweit – so gut – das tolle ist, dass dieser CG durchaus einen Ruhetag wert ist – werde später eine kleine Wanderung in diesem schönen Gelände machen.

Ich werde von drei Paaren aus Sikeston MO zum Frühstück eingeladen – alle in etwa auch in meinem Alter. Wir haben eine angeregte Konversation – sie beten für mich und meine Reise und machen mir ein großzügiges materielles Geschenk, welches ich nicht ablehnen kann. Sie verlassen den CG nachher. Ich bin voller Dankbarkeit und wir verabschieden uns als Freunde.

Schaue mir den Park bei einer kleinen Wanderung näher an und habe einen großartigen Blick auf diesen gigantischen Fluß.

Es ist wirklich ganz interessant, was in Columbus im Sezessionskrieg passiert ist. Auch in der Geschichte der Cherokees ist dies ein wichtiger Platz auf ihrem „Trail of Tears“ gewesen.

Der Camp Host lädt mich wieder zum Essen und auf einen Bourbon ein – wir besprechen die Fahrt morgen nach Paducah – wenn sich das Problem schnell lösen lässt, fahre ich mit ihm zurück. Ansonsten werde ich wohl eine Nacht in Paducah bleiben. Das ist rund 50 Meilen nach Nordosten – verlängert meine Anreise nach Memphis um mindestens einen Tag.

Und so klingt der Abend aus.

MRT 2023 – 05.06. – Mo – Tag 25

Columbus-Belmont State Park KY – Reelfoot Lake TN —> 70 km Gesamt: 1690 km

Schöner Sonnenaufgang – bin sehr gespannt wie es heute weitergeht. Alles eingepackt für den Transport nach Paducah.

Hatte gestern Abend noch einen kurzen Kontakt mit Millie – die an einem Buch über den Mississippi arbeitet (als Fotografin) wenn ich es richtig verstanden habe. Sie kommt kurz vorbei um sich meine Reise erklären zu lassen.

Fahrrad und komplette Ausrüstung kommen auf Bills Van und um 8 Uhr rauschen wir ab nach Paducah KY, ungefähr 30 Meilen. Ich bin ein bisschen nervös, ob das klappen wird und ich mit Bill wieder zurückfahren kann.

Um 9 Uhr stehen wir vor dem ersten Laden – verschlossen !! Bill telefoniert mit dem Inhaber, der ihm mitteilt, dass er heute erst um 12 Uhr das Geschäft öffnen wird.

Wir fahren zum nächsten Laden – Bike World – öffnet um 10 Uhr – okay, gehen einen Kaffee trinken. Pünktlich zur Öffnung stehen wir vor dem Bike Shop – macht einen sehr professionellen Eindruck.

Ein junger Mann nimmt sich meiner Sache an, überlegt kurz, ob er den Freilauf reparieren soll/kann – bespricht sich mit einem Kollegen. Die Lösung ist – wie erwartet – ein neues Hinterrad – nach 45 Minuten ist der „Blaue Elefant“ wieder einsatzbereit. Ich freue mich total und werde heute Nachmittag weiterfahren.

Gegen 12 Uhr sind wir wieder zurück im CG – ich verabschiede mich herzlich von Bill, der sich ja wirklich maximal um mich gekümmert hat. Es ist unglaublich welche Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft mir in diesem State Park begegnet ist.

Um ca. 13 Uhr starte ich und bin relativ bald in meinem siebten Staat in Tennessee angekommen. Ca. 25 km fahre ich auf einer endlosen Geraden bevor ich bei Tiptonville den Reelfoot Lake erreiche.

Mein Tag (halber Radtag) endet in einem Motel am Rande des Sees. Der See ist vor ca. 200 Jahren bei einem mächtigen Erdbeben in der Region entstanden.

Ich habe heute ein AirBnB in Memphis ab 7.6. abends für ein paar Tage gebucht. Morgen und übermorgen ist also wieder ein bisschen „Strecke machen“ angesagt.

MRT 2023 – 06.06. – Di – Tag 26

Tiptonville TN – Covington TN —> 138 km Gesamt: 1858 km

Strecke machen war die Tagesdevise. Grund dafür ist die geplante Ankunft in Memphis am Mittwoch. Ankünfte in Großstädten können manchmal sehr stressig sein – das möchte ich vermeiden bzw. reduzieren durch eine überschaubare Distanz am Mittwoch

Lecker gefrühstückt in Tiptonville geht es die ersten rund 85 km flach auf guten Straßen mit kaum Verkehr durch das Farmland von Tennessee. Die Temperatur am frühen Morgen ist mit rund 25 Grad sehr angenehm. Der „Blaue Elefant“ freut sich über sein neues Hinterrad und es rollt ziemlich flott.

Irgendwie aber auch ein bisschen langweilig. Weizen, Sojabohnen und Mais wechseln sich ab. Baumwolle konnte ich noch nicht erkennen – auch wenn mich „Cottonfields“ als Ohrwurm begleitet.

Als es beginnt heiß zu werden mache ich eine „Kühlungspause“ in einer großen Tankstelle – da gibt es so ziemlich alles was man braucht. Essen und Trinken und natürlich auch Restrooms. Meine kleine Pizza darf ich nicht bezahlen, habe leider nicht verstanden warum – habe mich aber herzlich bedankt.

Mein Garmintrack routet mich mal wieder in die Pampa. Ein Ranger auf einem Quad folgt mir und bittet mich umzukehren und den Highway 51 zu fahren. Er drückt mir noch zwei kalte Getränke in die Hand.

Ich folge seinem Rat. Nach der Einsamkeit heute Morgen, wird es jetzt stark belebt und laut. Allerdings kann man auf dem breiten Streifen rechts sehr gut fahren, man muß nur hellwach sein, da liegt ziemlich viel Gefährliches für die Reifen rum.

Ich bin also sehr froh als ich nach weiteren 50 km am Tagesziel im Quality Inn in Covington ankomme.

Das „Fahrradspiel“ beginnt wieder – aufs Zimmer – geht nicht. Wir haben auch nur noch Zimmer im ersten Stock. Ein bisschen hin und her und nach rund 10 Minuten checke ich in eine ebenerdige „Suite“ ein – da ist genug Platz für Alles.

Also heute tatsächlich keine Bilder von unterwegs – dafür ein Ankommens-Video. Der „Lawrence von Arabien-Look“ kommt meist so ab 13 Uhr zum Einsatz, wenn die Temperaturen deutlich über 30 Grad gehen.