Category: 2012 BALTIKUM


Welch weise Entscheidung diese Nacht im Hotel zu verbringen. Es hat die ganze Nacht ziemlich gewittert und gestürmt. Heute Morgen ist der Spuk vorbei und ich mache mich frohen Mutes ein weiteres Stück auf den Heimweg.

Allerdings war es nicht unbedingt mein Tag. Ich kam nicht wirklich ins Rollen, der Wind war noch ziemlich heftig und natürlich von vorne. Dazu kamen erstmals einige richtige Steigungen, so dass am Ende des Tages fast 400 Höhenmeter zu Buche standen. Das gab es in den vergangenen fünf Wochen nicht.

Kurz vor Grudziadz, dem ehemaligen Graudenz, habe ich dann irgendwie auch noch meine geliebte Oakley-Sonnebrille verloren. Also Stimmung nicht wirklich gut.

Habe mich sowohl in Grudziadz, wie auch später in Chelmno mit Kaffee und Kuchen getröstet.

Hinter Chelmno habe ich die Weichsel endgültig verlassen und bin sanft steigend eine fast 20 km lange Allee entlang geradelt mit ganz wenig Autoverkehr, das war eindeutig stimmungsförderlich.

Ich habe seit langem mal wieder Tabakfelder und die dazugehörigen Trockeneinrichtungen gesehen.

Heiß war es heute auch ganz schön, so daß ich gut und gerne auf gut 5 Liter aufgenommene Flüssigkeit kam, das gab dann auch immer wieder willkommenen Grund zum Anhalten.

Am Ende des Tages bin ich hier in Samociazek an einem kleinen See auf einem ganz netten Campingplatz abgestiegen.

Bis Berlin sind es noch geschätzte 470 km auf dem Europaradweg, dem sogenannten R 1.

 

Gegen acht Uhr verlasse ich diese wirklich wunderschöne Altstadt, gerade werden auch die restlichen Buden und Stände des Jahrmarkts abgebaut, so dass wieder Alltag einkehren kann.

Nach dem sehr heißen Wochenende stand die Wetterprognose auf Gewitter und die erste Front ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich hatte mich gerade so aus Danzig hinausgemogelt da wurde es schon mächtig finster. Mit einem 3 km langen Spurt bei Tempo 35 habe ich ein Dach in irgendeinem Dorf erwischt bevor es dann mächtig abging. Ich bin trocken geblieben. 30 Minuten später konnte ich wieder fröhlich weiterfahren.

Der erste Höhepunkt war eine wunderbare Brücke bei Tczew, ehemals Dirschau, über die Weichsel, die im September 1939 von polnischen Einheiten gesprengt wurde, im Verlauf des Krieges behelfsmäßig genutzt wurde und erst 1957 wieder fertiggestellt wurde. Heute rollt der Verkehr zwar weiter südlich über die Autobahnbrücke und die Bahn hat auch ihre eigene neue Brücke, es bleibt aber ein beeindruckendes Bauwerk und ich durfte den „Blauen Elephanten“ drüber steuern.

Weiter ging es in Malbork, mit der berühmten Marienburg, die mächtig am Ufer der Nogat thront. Ferienbedingt war ziemlich viel los, so daß ich es bei einer Besichtigung von außen beließ.

Die folgenden Stunden bin ich in der „preußischen Kornkammer“ zwischen Nogat und Weichsel gefahren, wo viele fleißige Bauern mit ihren Getreidefeldern beschäftigt waren. Irgendwo waren auch immer Gewitterwolken die mich jedoch unbehelligt ließen.

In Kwidzyn, dem ehemaligen Marienwerder, wo ebenfalls eine mächtige Ordensburg zu bewundern ist, habe ich mich gerade noch ins Hotel retten können, bevor der nächste Guß heranzog. Da hatte ich doppelt Glück, denn eigentlich waren sie ausgebucht, doch just als wir über Alternativen sprachen, kam ein Storno herein und ich war „gerettet“.

 

Heute war ein strahlender Hochsommertag mit deutlich über 30 Grad. Um 8:30 Uhr bin ich mit ganz vielen anderen Leuten mit der Fähre hinaus auf die Halbinsel Hel gefahren. Das dauert knapp zwei Stunden und ist ein beliebtes Sommerziel, sowohl für Tagesausflügler, wie auch Dauerurlauber.

Entsprechend voll sind die Strände auf beiden Seiten der Halbinsel, die etwas 35 km lang ist. Ich bin ein bisschen mit dem Rad hin- und hergefahren und war natürlich auch am Strand. Ich habe mich sogar erstmals auf der Tour in die Ostsee gewagt (mit Badehose), quasi zum Abschied von der Küste.

Morgen starte ich den „Heimkehrschwung“ nach Berlin, zunächst nach Malbork (Marienburg) und weiter Richtung Westen. Ich denke, dass ich am kommenden Wochenende die Tour in Berlin beenden werde.

Hier noch einige Bilder aus Danzig vom Wasser aus.

 

Einige Impressionen aus Danzig.

Die Innenstadt ist ein einziger Markt auf dem alles angeboten und verkauft wird, was man sich nur vorstellen kann, also sprichwörtlich „von der Stecknadel bis zum Sarg“ es gibt einfach alles.

Nachmittags habe ich das getan, was wohl am Samstag bei schönem Wetter alle Polen tun, ich bin hinausgefahren an den Strand von Sopot. Habe ich bisher ungefähr 800 km menschenleere Strände in den letzten Wochen gesehen, so war das heute das Gegenteil. Auf ca. 10 km Strand war es rappelvoll.

 

Die Übernachtung in Tolkmicko war bestens. Beim Aufwachen drohten dunkle Wolken, so dass ich mich mit dem Abbauen und Einpacken des Zeltes beeilte. Ging aber dann doch vorbei.

Im Dorf fragte ich in einem kleinen Lebensmittelladen nach Kaffee, da wollte mir die gute Frau ein Pfund Kaffee verkaufen. Wie es der Zufall wollte sprach der Inhaber des Ladens exzellent Deutsch, ein etwa 30jähriger Mann, der einige Jahre auf dem Bau mit deutschen Kollegen in Italien gearbeitet hat und so haben sich seine guten Sprachkenntnisse ergeben. Ich bekam einen Kaffee gekocht, es gab leckere Krapfen und wir saßen fast eine Stunde vor dem Laden und sprachen über ganz viele Dinge.

Auf der Weiterfahrt wurde ich kurzzeitig etwas nass. Ein deutlich größeres Übel war allerdings der eingestellte Fährbetrieb an der Nogat, was mir rund 20 km an „Zugewinn“ einbrachte. Was sind schon 20 km gemessen an der Gesamtheit, trotzdem müssen sie halt auch gefahren werden.

Durch eine wenig befahrene und dünn besiedelte Agrarlandschaft bin ich dann wieder an die Küste gekommen, eine interessante Überfahrt über die Weichsel mit der Fähre und später über eine Pontonbrücke über die „Tote Weichel“. Gegen 17 Uhr war ich in Danzig. Das Wetter hatte sich ab Mittag zu einem wolkenlosen blauen Himmel entwickelt und so habe ich mir zuallererst ein Bier an der Mottlau gegönnt.

 

Das erste Hotel, das ich angefahren habe war leider ausgebucht, aber die Dame an der Rezeption ließ mich in das WiFi des Hotels einwählen und so konnte ich mir in aller Ruhe eine Bleibe suchen und buchen.

Blick vom Hotelzimmer

Ich habe ein sehr nettes Hotel gefunden, in der zweiten Reihe am Fluß gelegen, sehr ruhig und serviceorientierte Mitarbeiter (wie wohltuend nach den Kaliningrader Episoden).

Ich werde Samstag und Sonntag hierbleiben, mir die Stadt in Ruhe ansehen (als leidenschaftlicher Günter Grass-Leser), da gibt es Orte die mich interessieren und den Sonntag vielleicht ein bisschen am Strand verbringen und auch hinaus nach Sopot und Gdynia fahren.