Ljusne – Tag 16 – Dienstag, 28. Mai

122 km / 504 hm / 7:27 h – Gesamt 1724 km / 9009 hm / 103:56

Nach guten zwei Stunden habe ich hinter Gävle die Ostsee erreicht. Heute ist ein Tag mit sehr blauem Himmel, dem gewohnt kalten Wind aus Norden, aber gut zu fahren.

Ab hier in Bonän geht es wieder nach Norden. Sollte sich der irrige Glaube bei einigen halten, dass man an dieser Küste quasi flach „an der Strandpromenade entlang rollt“, dann ist das ein ziemlicher Irrtum.

Vor lauter Freude an der Küste zu sein, habe ich mich gleich mal kräftig verfahren und bin lockere 20 km im „Wald herumgeirrt“. Was hier wieder anzutreffen ist, wie schon m vergangenen Jahr in Estland, ist dieser wunderbare Geruch nach sonnenwarmem Kiefernwald. Einfach ein Genuß.

Nach 100 Tageskilometern gönne ich mir gerade ein leckeres Essen in einem herrlich gelegenen Restaurant in Axmar Brygga.

Zwanzig Kilometer weiter findet der Einkehrschwung statt, in Ljusne auf einem schön ruhig gelegenen Campingplatz finde ich neben einem deutschen Pärchen, die mit dem Auto auf dem Weg zum Nordkapp sind, einen schönen Platz für mein Zelt. Der Platzbesitzer ist Schweizer und wir plaudern lange und ausgiebig über „Gott und die Welt“ und das Leben in Schweden.

 

Sandviken – Tag 15 – Montag, 27. Mai

109 km / 635 hm / 6:40 h – Gesamt 1602 km / 8505 hm / 96:29

Die erste Nacht im Zelt war tatsächlich dann zu einer Regennacht geworden. Geschlafen habe ich einigermaßen, allerdings fangen die Vögel bereits um 2:45 Uhr zu pfeifen an. Irgendein mittelgroßes Exemplar saß wohl auch direkt bei meinem Zelt.

Im Moment sitze ich in Falun in einem Café und frühstücke ausgiebig. Das Wetter ist wieder ziemlich trüb und kalt. Mein Hauptproblem ist jetzt eine Möglichkeit meine nasse Zeltausrüstung irgendwo zum Trocknen aufzubauen, dazu müsste die Sonne sich vielleicht für eine Stunde blicken lassen.

Genau das ist mir jetzt in Svärdsjö geglückt, alles wieder trocken und sauber. Bei der Gelegenheit hat das Fahrrad auch ein bisschen Pflege abgekriegt, schadet sicher nicht.

Wie so oft auf meinen Touren ändere ich unterwegs gerne meinen Weg. Der Sverigeleden hat jetzt mal für rund 300 km Pause. Ich fahre aktuell nach Osten um bei Gävle dann den Bottnischen Meerbusen zu erreichen und an der Küste entlang nah Norden zu Rollen.

Mit Erreichen der Provinz Gävleborg änderte sich die Landschaft mehr und mehr von Wald zu Feld. In Sandviken nehme ich mir heute Quartier im Vandrarhem, das ist zwar eine alte Burg, aber nachdem die Nacht nicht regenfrei bleiben wird gibt das Sinn. Bis Gävle an die Ostsee sind es es noch rund 30 km. Morgen geht es auf Route „Cykelspåret längs ostkusten“ wieder nach Norden.

 

Torsang – Tag 14 – Sonntag, 26. Mai

118 km / 1034 hm / 7:32 h – Gesamt 1493 km / 7869 hm / 89:49

Heute ist Muttertag in Schweden, da ist jede Menge los. Ich frühstücke zusammen mit meinen Gastgebern und erfahre ganz viel über schwedische Gepflogenheiten.

Aus Kopparberg hinaus geht es erstmal eine Stunde hinauf in eines der größten Naturreservate des Landes. Hier beäugt mich auch mein zweiter Elch auf der Tour. Mal sehen, ob der Schnappschuss gelungen ist.

Nach gut zwei Stunden treffe ich hier in Kloten wieder auf den Sverigeleden, den ich gestern verlassen hatte.

Ich kann heute tatsächlich in kurzer Radkleidung fahren. Einzig der starke Wind aus Norden ist hie und da lästig. Eigentlich könnte ich an fast jeder Ecke stehen bleiben, so beeindruckend ist die Landschaft.

Mittlerweile bin ich in der Provinz Dalarna angekommen.
Nach einer Mittagspause in einem „Michel aus Lönneberga – Garten“ bin ich weiter viele Berge hinauf und hinab und an endlosen Seen vorbei gefahren bis ich in ziemlich rasanter Abfahrt plötzlich wieder im Tal war.
Raus aus den Reservaten und in die Vorstädte von Borlänge, das ist die Stadt aus der Mando Diao kommen und die einmal im Jahr der Mittelpunkt der schwedischen Rockmusik ist.
Gegen 20 Uhr entscheide ich mich nicht mehr bis Falun zu fahren, sondern stelle mein Zelt in Torsang an einem kleinen See auf. Mitten im Aufbau beginnt es kräftig zu regnen und ich muss ein wenig wursteln, um alles organisiert zu kriegen.
Es fühlt sich nach diesem herrlichen Tag an, als ob mir eine Regennacht im Zelt blüht. So sah es dann gegen 23:00 Uhr aus
Ein kleiner technischer Hinweis, das Uploaden der Bilder ist ziemlich aufwändig, bezogen auf meine Telia- Karte, so dass diese bereits leer ist. Text funktioniert baw., Bilder lade ich dann jeweils hoch wenn ich W-Lan zur Verfügung habe.
Noch ein Schmankerl zum Schluß: Was heißt „Vattensyddsómrade“ auf Deutsch !?

 

92 km / 898 hm / 6:21 h – Gesamt 1375 km / 6826 hm / 82:17

Heute ist Finaltag und es war klar ich brauche ein Ziel, wo ich mir sicher sein konnte, dass ich das Spiel sehen kann. Gleichzeitig wollte ich aber auch ein gutes Stück vorwärts kommen.

Die äußeren Bedingungen waren heute bis auf einen kalten Nordwind sehr gut. Sonne und weit und breit kein Regenschauer, das machte Laune, dazu eine echte schwedische Landschaft, mit Seen und Häuschen, wie man das so kennt.

Zwischendurch gab es auch mal knapp 20 km Naturpiste durch einen kleinen Nationalpark, wo mir am höchsten Punkt, ein netter Schwede ein Bier aus seinem Wohnwagen anbot. Das Angebot war verlockend aber eindeutig zu früh, so blieb es bei einem kurzen Schwatz und ich machte mich an die Abfahrt in das sehenswerte Städtchen Nora. Leider war es erst Mittag, so dass ich mich nicht zum Bleiben entschloss.

Die Fahrt nach Kopparberg war eine ziemliche Plackerei gegen den Wind und viele lange Steigungen. Irgendwann war ich da, ist ein winziges Örtchen mit knapp 5000 Einwohnern. Das einzige Hotel öffnet erst am 1. Juni, das habe ich mittlerweile gelernt.

Ich habe mal ein bisschen herumgefragt und da hat sich eine lustige Option ergeben. En junges Pärchen (sie aus Essen, er Holländer) betreiben ein kleines Restaurant (heute geschlossen), ein Café und eine Sprachschule. Sie haben vor ein paar Jahren von der Kommune die frühere Volksschule erworben (zu wenig Kinder mehr im Ort) und nutzen diese gemischt als Lehrinstitut aber auch als B & B.

Ich schlafe heute ganze alleine in dieser alten Schule. Sie haben einen tollen Fernseher, allerdings sieht es so aus, als ob das Spiel in Schweden nicht „free“ übertragen wird. Also gehe ich zum Griechen (essen muss ich ja auch was) im Ortszentrum.

Alle Probleme gelöst. Mal sehen wie das Finale läuft, bin irgendwie ambivalent, einerseits ganz klar für die Bayern (mein Tipp 3:0), irgendwie würde ich es dem „Kloppo“ und seinen Jungs aber auch gönnen.

 

115 km / 903 hm / 7:00 h – Gesamt 1283 km / 5928 hm / 75:57

Die gute Nachricht mal wieder vorne weg. Heute blieben die Regenklamotten im Schrank. Allerdings kroch das Thermometer erst gegen 15 Uhr über 10 Grad, aber dann gleich sehr angenehm, sodass ich tatsächlich in der Dreiviertel-Hose fahren konnte, für braune Waden hat es allerdings noch nicht gereicht.

Mit der Zeltplatzchefin habe ich in aller Ruhe ausgiebig gefrühstückt und bin gegen 9:00 Uhr aufs Rad gestiegen. Schöne Landschaft, viel Wald und immer wieder ganz putzige Seen, mal größer – mal kleiner.

Der Preis für diese heimelige Landschaft rund um den Tiveden- Nationalpark war ein stetiges Auf und Ab, also so etwas wie „rolling hills“, nie wirklich steil aber dafür nachhaltig, am Ende waren es dann rund 900 Höhenmeter.

Ein angepeilter Campingplatz öffnet erst nächste Woche, das nützt mir wenig. Die Ecke hier etwas westlich von Örebro ist „right in the middle of no where“. Für einen Umweg von gut 40 km nach Örebro um städtische Infrastruktur zu genießen war ich nicht zu gewinnen. Örebro liegt etwa auf gleicher Höhe wie Stockholm, also ich arbeite mich so langsam in Schweden aufwärts. Dieses Land ist verdammt groß und vor allem lang.

Gerade als ich mich entschieden habe, solange zu fahren bis ich keinen Bock mehr habe und dann irgendwo auf einem privaten Grundstück zu zelten, da ist es gegen 19:15 Uhr passiert.

Ich bin schwach geworden !!

Als ich in dem Flecken Lanna über den Berg fahre, liegt plötzlich vor mir das Lannalodge Golf Resort und die haben doch tatsächlich einige Zimmer und eins war auch noch frei. Da bin ich einfach geblieben, auch wenn der Preis deutlich „über Budget“ liegt.

Jetzt habe ich herrlich geduscht (hatte ich geistig für heute schon abgeschrieben), sitze im Golfrestaurant und habe gut gegessen ( hatte ich ..), trinke gerade mein zweites Bier und die Welt ist in Ordnung.

Halt !! Wenn da nicht die Golfer wären? In Schweden sind die besonders laut und die trinken viel und schnell und dann singen sie im Restaurant !! Gottseidank verstehe ich nichts. Habe mal eben den Raum gewechselt, weil ich dachte das sind nur die Männer, Irrtum die Mädels singen nebenan genauso, nur ein bisschen höher.

Also in Rottenberg wäre das nicht möglich, oder ???