Villa Vanguardia – Glaciar Collante / Im Truck

Die Nacht war ein einziger Regenguss und nahezu unser ganzes Camp hatte mit dem vielen Wasser zu kämpfen. Gegen 4:00 Uhr morgens musste ich bei „einem Gang vor die Tür“ feststellen, dass mein Zelt in Kürze im Wasser stehen würde.

Also Stirnlampe aufsetzen und im Sinne einer Rettungsaktion alles Einpacken und das Zelt abbauen. War ein bisschen stressig und auch anstrengend. Habe mich dann in die Hütte zurückgezogen, die eher einem Stall glich, aber zumindest Schutz vor der Nässe bot.

Beim Warten auf den beginnenden Tag und in Gedanken an das ganze „klamme Zeug“ habe ich mich entschieden, heute nicht aufs Rad zu steigen, sondern den Tag im Truck zu verbringen. Gut ein Drittel der Truppe hat sich gleich entschieden, so dass es etwas eng im Auto wurde.

Zum besseren Verständnis, es gibt zwei Begleitfahrzeuge, zum einen den Lunchtruck, der die Fahrer mit Mittagessen versorgt und ein bedingte Aufnahmekapazität für Aussteiger unterwegs hat. Zum anderen, den Dinnertruck, der das komplette Gepäck fährt, unterwegs einkauft und möglichst vor Ankunft der Fahrer, das Camp vorbereitet. In letzterem bin ich und natürlich auch mein Fahrrad mitgefahren. Selbstredend ist jeder einzelne zur aktiven Mithilfe verpflichtet

Es wurde ein langer Tag mit einer fast 2h Unterbrechung wegen eines Erdrutsches, den auch die Radfahrer nicht passieren konnten. Die Carretera Austral ist ein Straßenprojekt, welches noch auf Pinochet zurückgeht und ganz Chile von Nord nach Süd erschließen soll. In Patagonien sind noch sehr viele Stücke echte Naturpisten oder auch Baustellen. Nach solch intensivem Regen sind die Pisten dann in entsprechendem Zustand. Für die Fahrer war es eine schmutzige und harte Etappe, die am Ende von ein wenig Sonne belohnt wurde.

Als Tagesziel sind wir im Naturpark Los Glacieres angekommen, in Sichtweite einiger mächtiger Andengletscher und einem tosenden Fluss. Es ist uns kurzzeitig gelungen unser Equipment einigermaßen zu trocknen bevor der nächste Regenschauer von den Bergen herabkam.

Unser Camp ist eine Mischung aus Bushcamp und Campingplatz mit zumindest einer warmen Dusche und Toilette. An einer offenen Feuerstelle gab es zum Abendessen leckere Spareribs und wie jeden Abend einen Becher Wein.

Ganz regenfrei wird die Nacht nicht bleiben – allerdings wird nichts überschwemmt werden. Morgen sitze ich wieder auf dem Rad – 78 km stehen an, mit einem heftigen Anstieg nach 20 km.

Wie es im Moment aussieht werde ich frühestens in Coyhaique am Donnerstagabend oder am Ruhetag am Freitag die Berichte und hoffentlich Fotos hochladen können.

Jetzt trinke ich noch ein Bier in meinem „Vaude Odyssee“ in der Hoffnung auf nichtallzuviel Feuchtigkeit.