Heute war mal wieder wirklich flüssiges Radfahren möglich. Normale Anstiege und normale Abfahrten. Die ehemalige Grenze zwischen Spanien und Portugal liegt zwar tief unten in einer Dueroschlucht, aber gemessen an den letzten 3 Tagen dann doch eher easy. Die letzten 20 km bis Zamora waren wieder ein bisschen hektisch auf der Nationalstrasse, die Spanier sind schon etwas „kranke“ Autofahrer. In Zamora angekommen bin ich zielsicher ins Paradorhotel gefahren. Die nächsten Tage ist „Busch“ angesagt, da wollte ich mir schon was gönnen. Im Moment sitze ich bei noch immer fast 30 Grad um halb elf, wie hunderte von Spaniern beim Abendessen und lasse mich verwöhnen.
Category: 2010 EUROPATOUR
Morgen verlasse ich Portugal. Ich bin jetzt 900 km durch dieses Land geradelt und habe dabei fast 8000 Höhenmeter bewältigt. Ein wunderschönes, nach unseren Maßstäben sicher armes Land. Ich kann nur empfehlen bereist mal dieses Land, es geht auch mit dem Auto oder Wohnmobil, esst in den einfachen Restaurants an der Straße und lasst euch auf diese Menschen mit einer für uns sehr schwierigen Sprache ein. Ich habe fast nur sehr hilfsbereite und sympathische Menschen kennengelernt (sh. Schutzengel). Wenn ihr dabei nach Mogadouro kommt, so müsst ihr im Restaurante Estoril einkehren, der Wirt macht Steaks am offenen Feuer, die packst du selbst als ausgehungerter Radler nicht. Der Höhepunkt war dann noch ein gigantischer Sonnenuntergang vom Castelo aus, so etwas gibt es nur im Süden dieses Kontinents.
Eigentlich wollte ich ja an die „spanische Grenze“ fahren. Aber nach erneut rund 1600 Hoehenmetern, maechtigen Abfahrten und (gefuehlt viel maechtigeren Aufstiegen) habe ich in Mogadouro im Hotel Largo Trinidade Coelho knapp 40 km frueher mein Quartier aufgeschlagen. Ordentliches einfaches Haus mit guter PC-Ausstattung, so dass ich endlich mal meine Bilder sichern kann. Nach genau 40 km hat es mich heute erwischt, ich schiesse eine Wahnsinsabfahrt hinunter und ganz unten merke ich, dass mein Hinterrad zu „hoppeln“ anfaengt. Plattfuss und das mitten in der Pampas bei gut 35 Grad und so gut wie kein Schatten. Also das komplette Gepaeck abgeroedelt und das Hinterrad ausgebaut. Ein schoenes Loechlein, ich denke das flicke ich, da spare ich meinen einzigen Ersatzschlauch. Mist mein Gummikleber im Flickzeug ist eingetrocknet. Also doch Ersatzschlauch rein, jetzt bin ich blank. Ich denke morgen in Zamora, der naechsten groesseren Stadt werde ich sowohl Flickzeug als auch einen Schlauch bekommen. So ein bisschen mulmig ist dir dann schon beim Fahren ohne Reserve, vor allem bei diesen Belaegen kann dir das jederzeit passieren. Ab morgen hoffe ich geht es wieder flacher und ich kann das Rad rollen lassen.
Der gestrige Tag war geprägt von 1800 Höhenmetern durch eine fast schon archaische Landschaft. Ende Juli möchte hier nicht mehr Radfahren. Mir war so schon heiß genug. Nachder vornehmen Pousada gab es Kontrastprogramm (wie von Honigbrummler gefordert). Ich habe für 3,90 € auf einem sehr ordentlichen Zeltplatz übernachtet und heute morgen hat mich ein Kuckuck geweckt. In Portugal ist heute auch Feiertag, durch Zufall habe ich hier bei einem Kaffeestop ein WiFi erwischt. Ich fahre jetzt weiter durch diese gemalte Landschaft zurück nach Spanien.
Aus Porto bin ich relativ gut, trotz morgendlichem Gedrängel, hinausgekommen. Auf Berge hatte ich mich eingestellt, ab Amarante war es dann aber schon heftig (der Taxifahrer hatte nicht ganz unrecht). Am Ende waren es fast 2100 Höhenmeter heute und das mit den gut 25 kg hintendrauf, das geht schon in die Beine, aber ich hatte ja auch ein paar freie Tage in Porto. Gerade als ich keine Lust mehr hatte und sich ein „Hungerast“ ankündigte, hat mir das Universum (Anlehnung an Hape Kerkeling) das Pousada do Marãos geschickt. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie lange es bis Vila Real noch bergauf geht. Pousadas sind die portugiesischen Varianten der
spanischen Paradores, also exklusive Hotels in ehrwürdigen
Gebäuden und bester Lage. Ich denke mir, verdient hast du dir das
ja, nach der Plackerei bergauf. Also frage ich den Meister nach
seinem besten Preis für einen müden Radfahrer (bis 100€ war ich insgeheim entschieden). Als er 50 Euro sagt werde ich sein Kunde. Jetzt sitze ich im eleganten Restaurant und lasse es mir gut gehen. Der Clou dabei ist, dass ich mit Blick ins Tal, die letzten 5 Kilometer meiner Bergauffahrt herrlich einsehen kann, das ist doppelter Genuß.





