Kiel – Tag 7 – Sonntag, 19. Mai

68 km / 337 hm / 4:03 h – Gesamt 842 km / 3524 hm / 48:50 h

Es ist vollbracht. Die „deutsche Etappe“ – quasi ein Viertel des Ganzen – ist zu Ende und das Abenteuer Skandinavien beginnt in Kürze.

Ich bin in Kiel am Schwedenkai angekommen, habe auf der Stena Line eingecheckt, ab 17 Uhr ist Boarding und um 18:45 Uhr geht es ab nach Göteborg. Das coole ist, dass man mit dem Rad an der ganzen Autoschlange vorbeifährt und so ziemlich als erster das riesige Schiff betritt. Gespannt bin ich, mit wem ich meine „Shared Cabin“ teilen darf.

Meine Erkältung hat sich jetzt vom Husten zum nachhaltigen Schnupfen gemausert, kein Wunder bei dem Wetter. Heute wieder tolle 11 Grad und grau in allen Schattierungen, aber wie prophezeit blieb es trocken.

Wie immer wenn ich eine kurze Strecke vor mir habe komme ich schwer in die Gänge. Etwa bei der Hälfte in Aukrug gab es ein ganz schnuckeliges Antik-Café und da musste ich stoppen. Die Lady war super nett und wollte alles zu meiner Tour wissen. Noch netter (besser) war die Eierlikörtorte. Mit diesem Kalorienschub im Bauch war Kiel dann kein Kunststück mehr.

Das mächtige Schiff liegt schon startbereit am Kai. Meine Online-Buchung von gestern Abend wurde professionell in eine Bordkarte umgesetzt und mir bleibt jetzt genug Zeit in einem Starbucks meine Internet-Hausaufgaben zu machen.

Vorgestern hatte mir die Telekom ja das Tempo gedrosselt und da macht das Nutzen des Internets keine Freude mehr. Täglich zwei Zeitungen online und dazu diverse Recherchen und das Bloggen Lasten einen Normaltarif schnell aus. Ab morgen arbeite ich dann auf meiner Telia-Karte, die mir der „Honigbrummler“ aus Schweden mitgebracht hat. Mal sehen, ob das Volumen bis ganz nach oben reicht.

Gottseidank ist Starbucks weltweit der Retter aller Online-Freaks. Ich erinnere mich an lange Stunden mit meinem Sohn in einem Starbucks in Lima vor zwei Jahren.

Das nächste Mal melde ich mich aus Göteborg.

 

Itzehoe – Tag 6 – Samstag, 18. Mai

78 km / 320 hm / 5:03 h – Gesamt 774 km / 3187 hm / 44:47 h

Bis Kiel sind es noch rund 160 km und es war klar die werden in zwei Teile geteilt. Also ganz gemütlich gut gefrühstückt und gleich rein in die volle Regenmontur. Stade an einem total verregneten Pfingstsamstag war nicht so der „Brüller“ und nach einem Capuccino zum Aufwärmen ging es weiter zum Tageshighlight.

Das Erreichen der Elbe mit anschließender Überquerung mittels Fähre von Wischhafen nach Glückstadt.

Es war nicht ganz die Breite wie vor zwei Jahren am Rio de La Plata von Buenos Aires nach Montevideo, 25 Minuten waren es dann doch und die können ganz schön lang sein, bei 11 Grad auf dem Deck.

In Glückstadt habe ich kaum eine Menschenseele an diesem Samstagnachmittag auf der Gasse gesehen, also noch ein Capuccino und die innere Entscheidung gegen 16 Uhr ist heute Feierabend.

Nässe und Kälte waren eigentlich auch ausreichend, obwohl ich sagen muss, meine Investition in Regenjacke und -hose von Endura hat sich schon bewährt. Nur mit den Handschuhen bin ich noch nicht optimal versorgt, da muss ich vielleicht mal in Göteborg gucken, ob ich eine bessere Lösung finde.

In Itzehoe habe ich es wahr gemacht und bin in einem der hier typischen Landgasthöfe abgestiegen. Den frühen Feierabend habe ich genutzt um mein Rad ein bisschen zu pflegen und der Kette etwas Öl zukommen zu lassen.

Morgen steht die Schlußetappe in Deutschland nach Kiel an und dann der Transfer über Nacht nach Schweden. Meine recht zuverlässige Wetter-App bringt morgen zwar keine Sonne aber Trockenheit, das wäre ja auch schon ganz schön.

 

Harsefeld – Tag 5 – Freitag, 17. Mai

130 km / 306 hm / 7:33 h – Gesamt 695 km / 2867 hm / 39:44 h

Nach einem heftigen Gewitter vergangene Nacht war heute morgen alles feuchtigkeitsschwanger mit tiefhängenden grauen Wolken, die mich schier erdrückten. Dazu Temperaturen im eher unteren Komfortbereich beim Radfahren (um die 12 Grad) die mich nicht gerade motivierten.

Die Strecke tat lange Zeit ihr Übriges dazu, völlig langweilig durch Felder ohne Ende. Etwas Abwechslung brachten riesige Schweinezuchtbetriebe, die sich schon sehr früh per Geruch ankündigten.

Das einzig brauchbare Fotomotiv war eine mächtige Kirche in einem namenlosen kleinen Dorf.

Gegen Mittag erreichte ich Verden an der Aller, von wo aus mein Weg sich in einer steilen Nordostkurve in Richtung Elbe vom Weserradweg verabschiedete. Das Städtchen hat mich auch nicht aus meiner Gedankentiefe herausgeholt.

Im Verlaufe des Nachmittags änderte sich mit dem Erscheinen der Sonne meine Stimmung schlagartig, was sich sofort in Tempo und zurückgelegter Strecke bemerkbar machte.

Gegen 18:30 Uhr war Schluß hier in Harsefeld, ca. 15 km vor Stade und ich bin in dem netten Gasthof Meyer rustikal aber ordentlich untergebracht.

Wer weiß wenn ich bis Stade gefahren wäre, ob mich dort nicht die Halma- oder Trivial Pursuit-Meisterschaften bei der Quartierfrage eingeholt hätten.

Morgen rolle ich dann elbabwärts um nach Glückstadt mit der Fähre überzusetzen. Samstag und Sonntag lasse ich es locker angehen, bis Kiel sind es noch rund 150 km und das Schiff nach Göteborg geht abends um 18:45 Uhr. Also alle Zeit der Welt.

Marklohe – Tag 4 – Donnerstag, 16. Mai

158 km / 320 hm / 9:04 h – Gesamt 565 km / 2561 hm / 32:11 h

Das Fazit vorneweg: Ein langer, guter und trockener Radtag mit einem überraschenden Ende. Mein Knie hat sich der Mischung aus Murmeltiersalbe und Voltaren gefügt und den ganzen Tag gut mitgespielt.

Am AKW Grohnde vorbei ging es morgens nach Hameln, der Rattenfängerstadt, später nach Rinteln und irgendwie sehr umständlich nach Porta Westfalica. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal grüßt majestätisch und markiert den Austritt in die norddeutsche Tiefebene und welch Wunder, sofort kam der Wind von vorne.

Hinter Minden habe ich mich irgendwie verfahren und bin gefühlte tausend Weserschleifen gefahren. Gegen 18 Uhr hatte ich dann wieder den richtigen Kurs. Ein Koffeinschub im Eiscafé und die bewusste Entscheidung nicht in dem netten Hotel gegenüber Schluß für heute zu machen, sondern weitere 20 Kilometer nach Nienburg zu fahren.

Ein hübsches Städtchen und schon beim Einfahren in die Fußgängerzone (übrigens ich war noch in keiner Stadt, wo man diese nicht befahren durfte) sah ich das Lokal, wo ich zu Abend essen wollte. Aber es kam anders.

Schon im ersten Hotel hieß es, Nienburg ist ausgebucht !! Fragen sie mal im Weserschlößchen !? Gleiche Antwort: „fully booked“ (Anmerkung die ganze Stadt). Des Rätsels Lösung, morgen ist eine „Scrabble-Meisterschaft“ und da sind alle Übernachtungskapazitäten beansprucht.

Meine schüchterne Frage: „Wo ist denn der Campingplatz ?“ wurde klar beantwortet: „Gibt es nicht !!“.

Auf Zelten am Waldrand hatte ich keinen Bock, das kommt in Skandinavien noch oft genug.

Nach einer längeren Odyssee bin ich dann hier im Neuloher Hof in Marklohe (gefühlte 50 km entfernt – waren aber nur 15 km mit dreimal verfahren) gelandet. Eigentlich haben die heute Ruhetag, aber der Seniorchef hatte ein Herz für mich. Wir haben dann noch zwei Bier auf die schnelle am Tresen getrunken.

So jetzt ist alles wieder gut, nach knapp 160 km ein Dach über dem Kopf (aktuell regnet es) und ein warmes Bett, was will man mehr (Abendessen blieb halt auf der Strecke, was soll’s).

Grohnde – Tag 3 – Mittwoch, 15. Mai

127 km / 406 hm / 7:01 h – Gesamt 407 km / 2241 hm / 23:07 h

Zu meiner großen Freude schien gleich heute morgen die Sonne und so blieb es bis jetzt, also der erste Radtag ohne zu frieren, welch ein Genuß. Ein kleiner Wermutstropfen ist mein rechtes Knie, welches schon zu Hause etwas aufmüpfig war und sich jetzt gegen den „Dauermodus“ wehrt. Mal sehen, was die Murmeltiersalbe von Christa vermag ggf. muss vielleicht ein bisschen Diclofenac zusätzlich helfen.

Sieben Stunden immer entlang der Weser, durch Bad Karlshafen nach Höxter und weiter über Holzminden in Richtung Hameln.

Das war fast so etwas wie eine Drei-Ländertour, immer wieder wechselte das Bundesland mideroutier Uferewechsel von Niedersachsen nach Hessen und nach Nordrhein-Westfalen. Bei Bodenwerder kam ich dann auch noch in das Land des Lügenbarons.

Knapp 10 km vor Hameln kam der Einkehrschwung in das Grohnder Fährhaus und hier sitze ich zum Abendessen in einem netten Biergarten (mit Blick auf das Kraftwerk Grohnde) und werde hier auch meine dritte Nacht verbringen.

Stimmung und Energie ist sehr gut, morgen steuere ich dann bei Porta Westfalica die Norddeutsche Tiefebene an. Bei weiterhin so konstanter Tagesstrecke peile ich das Schiff am Sonntag von Kiel nach Götgeborg an. Entscheidung am Freitag.