Bin kurz nach sechs Uhr auf der Straße – alles sehr ruhig – genieße die morgendliche Kühle.

Im Chippewa-State-Park mache ich erstmals mit den aggressiven Mücken Bekanntschaft. Wird ein bisschen anstrengend, da Stehenbleiben fast nicht möglich ist.

Langsam macht sich der Hunger bemerkbar – Frühstück war ein Granola Bar und ein doppelter Espresso.

Ich stelle mir Eier mit Speck vor – nach 50 km erreiche ich Bena – ein Ort mit ca. 100 Ew – aber mit einem Grocery Store und dem Big Winnie Café – und da passiert es – meine Vorstellung wird erfüllt. 👏👏

Am Winnie Dam mache ich ein Pause und denke mir eigentlich wäre das ein super Platz zum Übernachten.

Verwerfe den Gedanken – es ist ja erst 12:30 Uhr. Wenn so ein Gedanke erstmal da ist, kann er hartnäckig werden.

15 km später halte ich am Straßenrand – ggü. geht es in die Ball Lake Club Lodge, da kommt Gary auf einem Trike angebraust, der Eigentümer.

Ich schaue mir die Lodge an und bin schnell entschieden, hier bleibe ich an einem MR-Backwater. Toller Platz für mein Zelt und ich richte mich auf einen entspannten Nachmittag ein. Gary gibt ein Light Beer aus und ich bin ziemlich happy über den Platz.

Fast zu viel des Guten wurde ich zum Dinner in eines dieser riesigen Wohnmobile eingeladen. Habe mich nicht getraut zu fotografieren.

So sitze ich jetzt vorm Zelt – eine Brise hält die Mücken in Schach – und trinke ein kühles Bier, das haben sie mir auch noch mitgegeben.

Natürlich gehört zum Start am MR das Eintauchen des Vorderrades rituell dazu. Habe natürlich auch meine Füße im MR kurz gebadet.

Bei sehr angenehmen Temperaturen bin ich entspannt gestartet. Habe bestimmt fünfmal den entstehenden MR überquert um dann in eine hügelige Farmlandschaft einzutauchen.

An meiner Vorderradbremse habe ich gestern Abend schon ein Problem festgestellt. Meine provisorische Fixierung hat nicht lange gehalten.

In Bemidji – nach 50km – haben mir die Jungs im Bikeshop das Thema Ruckzuck gelöst. Macht mehr Sinn beide Bremsen benützen zu können 😂

Paul Bunyan ist eine lokale Märchengestalt – so ähnlich wie Gulliver nur als Holzfäller. Das Foto am See musste sein.

Mittlerweile ist die Sonne raus und es ist gut warm geworden. Mache aktuell eine Pause in einer kleinen „Kaffee-Rösterei“ – angenehm kühl.

Es ist jetzt 2 p.m. – vielleicht fahre ich noch so zwei Stunden und nehme dann den nächsten Campingground – sollte genug sein für den ersten Tag.

Unmittelbar am MR lande ich im Oak Haven Resort ca. 25 km nach Bemidji. Sie haben kein Zeltcamping – einige mich mit Matt, dem Owner, auf einen Zeltplatz + Dusche. Am Ende der Diskussion darf ich nicht mal etwas bezahlen.

Einer der Dauercamper lässt es sich nicht nehmen und schenkt mir zwei eiskalte Bier. Die nehme ich dankbar an – Bud Light ist genau das Richtige zum Ausklang des ersten Tages.

05.07.2022 – Mississippi Headwaters

Start zum Ausgangspunkt meiner Tour – rund 300 Autokilometer nördlich von Minneapolis.


Auf dem Weg nach Norden

Kate und ich sind gegen 15 p.m. am Lake Itasca. Kurzer Besuch an den Headwaters und dann beziehe ich mein Quartier im Headwaters Inn – ab jetzt bin ich alleine und starte morgen Tag 1 meiner MRT-Tour.



Auf dem ca. 25 km langen Wilderness-Trail drehe ich eine entspannte Abendrunde um den Itasca State Park.



Es gibt erste Begegnungen mit der einheimischen Tierwelt.


04.07.2022 – Minneapolis

Heute ist der amerikanische Unabhängigkeitstag – unschwer an den Fahnen zu erkennen.

Für mich heißt es heute Vormittag erstmal meine Radsachen zu ordnen und einzupacken. Heute Abend gibt es ein Barbecue hier bei meiner Gastfamilie.

Hundespaziergang am Nachmittag am Mississippi-Ufer.

Kate‘s Eltern kamen aus Faribault zum Dinner und später haben wir einige Meilen außerhalb der Stadt das traditionelle Feuerwerk bestaunt.

Morgen früh bringt mich Kate dann zum Itasca State Park an die Headwaters des Mississippi – Ja und am Mittwoch starte ich den MRT – Mississippi River Trail – nach New Orleans – irgendetwas zwischen 3000 und 4000 km liegen vor mir. Freudige Erwartung und Respekt bestimmen meine aktuelle Gemütslage.

03.07.2022 – Toronto – Minneapolis

Manchmal kommt es anders ….

Eigentlich sollte ich jetzt in Minneapolis gelandet sein. Mein Flieger um Mitternacht aus Victoria hierher war schon mal eine Stunde zu spät – war aber egal, da der Anschluß nach MSP gecancelt wurde (ersatzlos).

Ein Angebot seitens Air Canada online, war 24 h Aufenthalt und morgen via Charlotte (North Carolina) nach MSP – Ankunft am späten Nachmittag (4.7.).

Hatte kurz überlegt das so zu machen, aber verworfen – kein Gepäck dabei – alles für die Radtour schon am Blauen Elephanten in MSP.

Volles Chaos am Air Canada Customer Service – zig genervte und müde Reisende.

Habe erstmal in Ruhe gefrühstückt – und dann hat mir eine „gute Fee“ bei Air Canada eine Lösung gezaubert.

Fliege jetzt heute Nachmittag via Denver nach MSP und bin so gegen 21 Uhr Ortszeit dann hoffentlich dort. 🇨🇦🇺🇸👍

Und dann kam es nochmal anders – für den Flug nach Denver gab es innerhalb von 20 Minuten drei Verschiebungen, sodaß definitiv kein Anschluß nach Minneapolis möglich sein würde.

Also nochmal anstellen am Air Canada Customs Service mit viel Geduld. Als ich dran kam guckte mich die Lady an und sagte: wenn Du schnell bist gibt es in zehn Minuten einen Platz auf einem Direktflug nach MSP.

Sie rief am Gate an, Boarding sollte gerade abgeschlossen werden und ich sauste die rund 800m dorthin, um tatsächlich den letzten Platz zu besetzen.

Der Flieger blieb zwar noch eine gute Stunde am Gate stehen, das war mir aber egal, drin ist drin.

Mit Moritz, einem deutschen Eishockeyprofi, hatte ich dann auch noch einen inspirierenden Sitznachbar, noch dazu mit mittelfränkischen Wurzeln.

Zur Überraschung meiner Host-Famile stand ich dann kurz vor 16 Uhr vor deren Haus.