Verlasse den Campground bei Clearwater gegen 7:30 Uhr und merke schon auf den ersten Kilometern, dass ich Druck auf dem Pedal habe.

Es ist lange her, dass ich das große Kettenblatt so intensiv genutzt habe – obwohl heute knapp 500 Höhenmeter zusammen kamen.

Vermutlich war es die Aussicht wieder bei Kate und Dan zu übernachten – aber auch mit Minneapolis ein erster Meilenstein nach rund 650 gefahrenen Kilometern.

Die Höhepunkte auf der Strecke waren sicher der Coon Rapids Dam – der schon vor über 100 Jahren errichtet wurde.

Es war sehr beeindruckend von Norden kommend auf die Skyline von Minneapolis zuzufahren. Ende Mai hatte ich das ja schon mal gesehen – aber es ist anders, wenn Du nach sechs Tagen Radfahren in einer Metropole ankommst.

Und später natürlich in Minneapolis, die St. Anthony Falls von der Stone Arch Bridge aus gesehen.

Ein leckeres Dinner mit der Familie Buhr und Olis abendliches Fußballspiel beschlossen meine erste Radwoche.

Mit dem guten Gefühl morgen einen ersten Ruhetag zu haben, ließ sich entspannt zu Bett gehen.

Herrlich – nach zwei eingeschränkten Nächten – habe ich das Bett bei Susan und David sehr genossen. Nicht zu vergessen, neben dem tollen Dinner hat mir Susan auch meine komplette Wäsche gewaschen.

Beim gemeinsamen Morgenkaffee haben wir noch ein bisschen geplaudert und kurz darauf bin ich hinter ihnen her, zum Tourright-Bikeshop nach Little Falls geradelt. Charles Lindbergh ist der berühmte Sohn dieses Städtchens.

Habe die Gelegenheit genutzt und meinen Reifendruck im Laden gecheckt und meiner Kette etwas Gutes getan.

Logisch, dass ich dann ausführlich mit meiner Tochter Mirjam zu deren Geburtstag telefoniert habe.

Auf dem Rad war es heute grandios. Weitgehend „tailwind“ und so ziemlich den ganzen Tag am MR entlang.

Mittagsrast in einem schönen schattigen Park unter uralten Eichen.

Immer wieder fahre ich an superschönen Häusern unmittelbar am MR vorbei. Hat ein bisschen was, wie das Isar-Hochufer in München.

Über Sauk Rapids und St. Cloud auf exzellenten Bike-Routen bringt mich der MRT nach Clearwater, wo ich mich spontan für den schön gelegenen Campground entscheide.

Ganz kurz sah es noch etwas bedrohlich aus, das Wetter ändert sich hier so schnell, das checke ich noch nicht so ganz – hat sich aber verzogen und der Forecast ist trocken.

Sonnenuntergang aus der Zeltperspektive

Die Nacht war heftig – nicht nur, dass mich der viele Knoblauch auf der Pizza umgetrieben hat, sondern vor allem die Beats und Vibes der Bar im Erdgeschoss, die bis 3 a.m. mich erschüttert haben.

Aber – jede Nacht ist einmal zu Ende und so bin ich kurz nach acht aus Crosby hinausgerollt. Ein richtig schöner Biketrack hat mich in Richtung Brainerd geführt.

Dort habe ich erstmal gefrühstückt – irgendwie hatte ich die Intention „Zelten passt heute nicht“ und ich habe bei „Warmshowers“ geguckt, ob da was in meiner Richtung passen könnte.

Tatsächlich habe ich eine Anfrage an Susan und David gestellt und innerhalb von zehn Minuten grünes Licht bekommen.

Wir freuen uns auf Dich 🙏👍🇺🇸 – die fehlenden 50km habe ich in Angriff genommen, davon ca. 15 km im wunderbaren Crow Wing State Park unmittelbar am MR.

Grummelnde Gewitter und einsetzender Regen haben mich zunächst zum Fort Ripley und später bis zum Haus der Beiden geführt.

Ein super Sonntagabend – Susan hat ein perfektes Menu gezaubert. Wir haben viel gequatscht – David hat einen Bikeshop im Städtchen. Warmshowers-Hosts, wie es besser nicht geht.

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Habe etwas unruhig geschlafen – viele Tiergeräusche um mich herum. Bin wieder gegen 6:15 Uhr auf der Piste. Es rollt 🚴

Bis Palisade (167 Ew.) sind es dann doch über 40 km – nur mit einem Espresso und einem Riegel – gute Übung fürs Bauchfett 😂😂 Gottseidank ist es weitgehend flach.

So früh am Morgen kommt kein einziges Auto – nur die Tierwelt ist aktiv, Deer (etwas größer als unser Reh), Turkeys, Opossum, Fasanen, riesige Eichhörnchen (Squirrel) und ein Adler. Leider auch sehr viel überfahrene Kadaver.

In Gabby‘s Treat gibt es ein super amerikanisches Frühstück. Es dauert nicht lange, da steht der Chef vor mir (Gabbys Mann), er war acht Jahre in Ramstein, spricht natürlich kein richtiges Wort Deutsch – aber total nett. Sind auch noch etliche andere Ex-GIs im Raum. Alle wollen natürlich wissen wie es heute in Deutschland ist. Ich bin so etwas, wie die Samstagsattraktion – kein Wunder bei 167 Ew.

Im Verlauf wird es sehr schwül, der MR windet sich durch endloses Ackerland und ich erkämpfe mir so manchen Kilometer.

Das ist mir ja nicht fremd – nach über 35.000 km auf dem Blauen Elephanten.

Aitkin (immerhin über 2000 Ew.) – ist quasi die Kreisstadt des Countys hier. Ziehe mir ein großes Eis rein und entscheide mich heute für ein richtiges Bett.

Buche ein AirBnB in Crosby – 20 Meilen entfernt am MRT – quäle mich ein bisschen durch die Hitze – am Ende gibt es noch zwei richtige Berge – die ersten in Minnesota.

Um 17:30 Uhr bin ich da, das Gute ist, im Erdgeschoss des Apartments ist ein Liqour Store – also so ein Laden in USA, wo es Alkohol zu kaufen gibt und eine coole Bar.

Hole meinen Schlüssel – setze mich vor den Store – drinnen ist es saukalt und megalaut – fünf riesige Bildschirme mit Sports Live und besoffene Amis – und trinke zwei exzellente IPAs – heute nicht geschnorrt – aber trinke zwei – zahle eins – da habe ich mitgemacht.

Werde mich später kultivieren – Rasur steht an – gute Dusche und kompletter Klamottenwechsel für morgen.

Mit Sonnenaufgang kurz nach 5 Uhr stehe ich auf und packe meine Ausrüstung – klappt schon wieder ganz gut.

Bei Steve und Linda gibt es noch einen Kaffee und dann bin ich wieder auf der Straße.

In Deer River im Sportsman‘s Café frühstücke ich und mache mich auf den Weg nach Grand Rapids – einem Städtchen mit rund 10.000 Einwohnern. Erledige ein paar Einkäufe – wollte noch zum Haareschneiden, da hätte ich bis Montag warten müssen.

Die Temperatur ist heute ganz okay – so um die 25 Grad mit etwas Wind.

Seine Majestät der Mississippi-River macht sich den ganzen Tag etwas rar. Erst am Tagesziel – dem Jacobson-Campground habe ich wieder Direktkontakt.

Leider ist das soweit im Gebüsch, dass ich keinen Empfang habe, kann sein dass dieser Beitrag die Leser erst spät erreicht – Deutschland + 7 Stunden.

Der CG liegt malerisch oberhalb an einem Bogen des MR – sehr rustikal – tolles Wasser aus einem artesischen Brunnen und Plumpsklo. Jetzt so am frühen Abend fest in Moskitohand.

Ausruhen im Zelt – hinter dem Moskitonetz und hoffen auf eine Abendbrise mehr bleibt nicht – ohne Netz gibt es auch keine Musik.

Später komme ich mit einer größeren Gruppe aus dem nahegelegenen Jacobson ins Gespräch – sie waren den ganzen Tag auf dem MR unterwegs. Einladung zum Bier war logisch 🙏