Arvidsjaur – Tag 25 – Donnerstag, 6. Juni

126 km / 640 hm / 7:46 h – Gesamt 2528 km / 14575 hm / 155:21 h

Heute ist schwedischer Nationalfeiertag und dazu passt das Wetter. Herrlicher Sonnenschein und ich kann mit kurzer Hose und T-Shirt fahren, das gab es morgens noch nicht auf dieser Tour.

Kurz nach der Abfahrt begegnet mir mein erstes Rentier.

In Sorsele findet ein Festakt anlässlich des Feiertages statt und ich gucke mir das Treiben bei einem gesponserten Kaffee eine Weile an, bevor ich dann auf der E 45 nach Osten abbiege und die rund 80 km nach Arvidsjaur in Angriff nehme.

Kurz vor Slagnäs erreiche ich die nördlichste und wohl größte Provinz Schwedens – Norrbottens län –

Ich mache eine Pause hier auf dem Campingplatz und der Inhaber stellt sich als Deutscher aus Geretsried heraus. Es ist unglaublich, fast alle Plätze werden hier von „emigrierten Ausländern“ betrieben. Es ist ein schöner Platz aber 14:30 Uhr ist mir zu früh zum Bleiben. Ich strebe Arvidsjaur als Ziel für heute an.

Unterwegs wechselte die Landschaft immer wieder, die Bäume nehmen langsam ab bzw. der Bewuchs wird niedriger, dafür nahmen die Rentiere sprungartig zu. Sind irgendwie lustige Tiere, stehen gruppenweise ziemlich stoisch auf der Strasse herum.

In Arvidsjaur wohne ich in der Lappland Lodge, einem netten B & B, welches auch von einer Deutschen betrieben wird. Begegne dort einem Schweizer Ehepaar, die seit 3. April für drei Monate mit dem Tandem unterwegs sind.

 

133 km / 804 hm / 8:07 h – Gesamt 2402 km / 13935 hm / 147:35 h

So sah es heute Morgen um 1:30 h auf meinem Platz aus.

Es fiel mir nicht leicht morgens meine warme Hütte zu verlassen. Der Wind pfiff um die Ecken und die Temperatur ist deutlich im einstellig niedrigen Bereich, aber baw. kein Regen.

Nach knapp 30 km bin ich in Vilhemina – einem kleinen Städtchen – eingetroffen und gönne mir ein ausgiebiges Frühstück. Der Capuccino hier in der Konditorei ist exzellent.

Bei diesen Temperaturen fahre ich nicht ins „Blaue“. Der nächste Ort mit Struktur ist ca. 70 km entfernt. Viel weiter glaube ich geht es heute nicht.

Im Moment spiele ich auf der E 45 ein lustiges Spiel. Südlich fahrende deutsche Autos gegen nördlich fahrende, aktuell steht es 3:2 für die südlichen.

Kaum hatte ich das Café verlassen habe ich Viktor getroffen, auch ein Einzelkämpfer mit dem Rad auf dem Weg zum Nordkap. Ein bisschen Infos ausgetauscht und dann ging es für mich weiter.

Der Tag entwickelte sich blendend, gegen frühen Nachmittag kam die Sonne raus und damit stieg auch die persönliche Performance deutlich. Bei einer Rast wurde ich von einem sehr netten Schweden in sein Haus eingeladen und wir tranken Kaffee zusammen. Ist bei uns irgendwie nicht vorstellbar, dass man jemanden von der Straße weg einlädt.

Jetzt sitze ich in Storuman beim quasi Abendessen und werde das gute Wetter nutzen um weiter in den Abend hineinzufahren. Je weiter ich komme, desto eher ist es möglich morgen am Nationalfeiertag bis Arvidsjaur zu kommen.

Das Spiel steht im Moment 7:8 für die Nordfahrer. Endstand 7:13, die Nordfahrer haben eindeutig gewonnen.

Es hat riesig Spaß gemacht noch eine ganze Ecke weiterzufahren. In Sandsjögården bin ich kurz vor 21 Uhr in einen schönen Campingplatz an einem riesigen See eingebogen und habe Schluß für heute gemacht.

Hier noch ein paar Motive an welchen ich vorbeigeradelt bin.

Der Tag war ein Lehrstück wie Motivation und Leistung von den Wetterbedingungen abhängt.

 

Meselefors – Tag 23 – Dienstag, 4. Juni

119 km / 546 hm / 7:43 h – Gesamt 2269 km / 13131 hm / 139:28 h

Schöner Start in den Tag mit einem ausgiebigen Frühstück und einem intensiven Gespräch mit Jennifer der Inhaberin des B & B. Gegen 8:30 Uhr starte ich einen wieder sehr kalten (8 Grad) und vor allem windigen Tag.

Mit dem Provinzschild von Västerbottens län bin ich jetzt tatsächlich in Lappland angekommen.

Die Wetterbedingungen fordern ihren Tribut und ich fahre in ein tiefes Energieloch. Was bin ich froh, dass nach 38 km in Hällsta ein nettes Café auftaucht, welches ich natürlich ansteuere. Die Inhaberin (Christien) ist Holländerin und wir plaudern eine gute Stunde auf Deutsch über das Leben in Schweden. Ich erfahre wieder eine ganz Menge. Danke Christien, dass du dir Zeit genommen hast, hat mir gut getan. Mein Akku lädt sich auf und wir verabschieden uns herzlich voneinander.

Åsele erreiche ich nach rund 70 km und bin wieder total leer. Erste Gedanken tauchen auf, den Tag hier zu beenden, da Vilhelmina weitere rund 70 km entfernt liegt, als nächste Ansiedlung mit Infrastruktur.

Jetzt sitze ich erst mal in einer Pizzeria und lade Kohlenhydrate nach, dann gucken wir weiter.

Im Turistbyra in Åsele frage ich, ob das Vandrarhem in Meselefors geöffnet hat. Der Typ ist ein bisschen wortkarg, greift aber zum Telefonhörer und kündigt mich dort an.

Kurz hinter Åsele ist die Straße auf einer Länge von fast 40 km komplett neu, mit einer total glatten Asphaltdecke, so dass trotz meiner heutigen „Schwächephase“ das Rad wieder läuft. Immer entlang des Ångermanälven stoße ich irgendwann auf die E 45, die finale Route nach Norden in Schweden.

Ab hier habe ich das Roadbook des Transeuropalaufes von 2009 quasi als Track, jetzt ist ein Verfahren allerdings schlichtweg nicht mehr möglich. Die noch zu fahrende Strecke beläuft sich nach der szt. Detailausarbeitung von Joachim Barthelmann auf 1250 km. Also lande ich bei den schon grob genannten 3500 km.

Als ich gegen 19 Uhr nach rund 120 km ankomme, werde ich schon erwartet und darf die Hütte Nr. 6 beziehen. Die älteren Herrschaften, die das Gelände seit über 20 Jahren führen, sind supernett. Leider ist es so kalt, dass ich von der unmittelbaren Lage am Fluß nichts habe.

Ich kaufe mir zwei Bier, drehe in der Hütte die Heizung auf Anschlag und mache es mir gemütlich.

 

Junsele – Tag 22 – Montag, 3. Juni

147 km / 1321 hm / 9:41 h – Gesamt 2150 km / 12585 hm / 131:45 h

Fröhlich bin ich in kurzer Montur heute Morgen aus Bjornkudden weggeradelt. Die Wettervorhersage war eindeutig auf sonnig ausgerichtet.

Nach einer halben Stunde musste ich schon etwas wärmere Teile darüber ziehen und nach 20 km konnte ich die volle Regenmontur, die ich ganz nach unten gepackt hatte, rauskramen.

Jetzt sitze ich nach 65 km in Sollefteå, einem überraschend netten kleinen Städtchen, in einem Café um meine Sachen zu trocknen und mich wieder etwas aufzuwärmen.

Vor mir liegt Lappland und hinter mir gute 2000 Kilometer. Manchmal glaube ich es nicht, dass ich von Goldbach bis nach Lappland geradelt bin !!!

Die Hoffnung ist jetzt, dass der Nachmittag sich der Prognose annähert und vielleicht trocken wird.

Das hat geklappt, allerdings wurde es durch den sehr starken und eiskalten Nordwind nie mehr wärmer als 12 Grad, gefühlt waren es deutlich weniger.

Das folgende Bild zeigt die Grundausstattung eines schwedischen Sommerhauses, dazu gehört dann noch ein mächtiger Sitzrasenmäher, manchmal tauchen hier jetzt auch schon Schneemobile auf. Sind Kinder im Haus gehört auch noch ein riesiges Trampolin dazu.

Es wurde schließlich der beabsichtigte lange Radtag. Zwischendurch konnte ich ca. 30 km sehr nah am Ångermanälven, dem Fluß, der kurz vor seiner Mündung in die Ostsee, von der mächtigen Brücke überspannt wird, entlang fahren, leider nicht an einem schön ausgebauten Uferradweg (wie in Deutschland) sondern mehr parallel und permanent im Auf und Ab. Trotzdem die Flußlandschaft war der Höhepunkt des Tages.

Gegen 21 Uhr habe ich hier in Junsele in einem sehr netten B & B Station gemacht, ich bin aktuell der einzige Gast und so habe ich ein liebevoll eingerichtetes Schwedenhäuschen für mich alleine.

 

Sandöverken – Tag 21 – Sonntag, 2. Juni

Ruhetag Nummer 2

Hatte gestern Abend exzellente Fernsehbedingungen und konnte mir das Triple des FC Bayern bei einem guten Glas Wein genüsslich ansehen.

Gegen 10 Uhr machte ich mich heute Vormittag mit Evas (Chefin des Hauses) Saab auf den Weg das UNESCO Weltkulturerbe Högakusten zu erkunden.

Ich bin ungefähr 150 km durch eine großartige und naturbelassene Landschaft gefahren, mit ganz vielen wunderschönen Eindrücken. Hier wächst das Land seit der Eiszeit um jährlich rund 8 mm in die Höhe, das heißt mittlerweile sind rund 260 m zusammengekommen. In diesen Dimensionen spürt man die zeitliche Winzigkeit einer Menschengeneration.

Ein paar der Eindrücke spiegeln sich in den folgenden Bildern wieder.

Morgen breche ich auf, um die „letzten rund 1500 km“ bis zum Ziel anzugreifen. Ich werde die Küste und damit die E 4 verlassen und mich Richtung Nordwesten bewegen, wo ich in ungefähr zwei Tagen bei Vilhelmina auf die E 45 treffe, das ist dann die Route, die der Transeuropalauf 2009 auch genommen hatte.
Habe mich gut erholt, werde mir später noch das Länderspiel Deutschland – USA angucken und freue mich morgen wieder auf die Piste gehen zu können.