Karesuando – Tag 30 – Dienstag, 11. Juni

111 km / 545 hm / 8:08 h – Gesamt 3018 km / 17390 hm / 185:52 h

Zeitiger Start kurz vor sechs Uhr in einen sonnigen und sehr frostigen Morgen. Die letzte Etappe in Schweden stand auf dem Programm. Es wurde mir sehr schnell klar, dass dies heute ein anstrengender Radtag werden würde.

Es blies ein böiger Sturmwind von Nord/Nordost und packte mich so frontal, dass mein Tacho manchmal nicht einmal 10 km/h anzeigte. Über den Tag verteilt kam ich auf einen 13er Schnitt, das bin ich in guten Zeiten auf solchen Distanzen gerannt. Zu dem Wind und der Kälte kam das zwar nicht steile, aber ewige Auf- und Ab, sowie auf gut einem Drittel der Strecke, der maximale „Bremsasphalt“ und anfangs noch ein paar kurze kräftige Schauer

Zwei schwedische Jungs die mir nach rund 60 km begegneten berichteten von einem so exzellenten Rückenwind, dass sie kaum zu treten bräuchten.

Ich habe mich durchgebissen und Karesuando, den letzten Ort in Schweden erreicht. Ich bin jetzt ziemlich genau drei Wochen in Schweden gefahren und wirklich froh dieses unendliche Schweden „geschafft“ zu haben. Jetzt der kurze Abstecher nach Finnland und dann der „Einkehrschwung“ nach Norwegen.

Von meiner Campinghütte aus sehe ich die Grenzbrücke, dort steht auch erstmals ein Schild mit dem Hinweis „Nordkap 434 km“. Nach meiner Rechnung sind es es noch rund 500 km, aber was soll's in dieser Dimension sind ein paar Kilometer rauf oder runter gerade egal.

Kurz vor Karesuando habe ich dann mit meinem letzten Schluck Cola auf die 3000er Marke getrunken.

Zu sehen gab es eigentlich gar nichts unterwegs. Rentiere und Elche haben schon ein paar Tage Pause. Kurz bevor der Kirchturm von Karesuando auftauchte – hier steht die nördlichste Kirche Schwedens – hat sich eine imponierende Wasserlandschaft aufgetan, das war's aber dann auch, bei rund 400 Einwohnern gibt es so gut wie keine Struktur nach unseren Maßstäben.

Ich habe im lokalen „Landkrafthandel“ mein Abendessen und Verpflegung für morgen besorgt und werde versuchen, die heute verbrauchten „Körner“ wieder aufzubauen.

Interessant ist vielleicht noch, dass es hier vor einigen Jahren mit – 50 Grad so eine Art schwedischen Kälterekord gegeben hat. Vielen Dank mir war es heute einstellig Plus schon kalt genug.

 

Vittangi – Tag 29 – Montag, 10. Juni

107 km / 545 hm / 6:48 h – Gesamt 2907 km / 16845 hm / 177:44 h

Meine fünfte Radwoche beginnt ziemlich hart. Nachdem gestern sehr gutes Radwetter war, ist es über Nacht wieder ziemlich kalt geworden (einstellig), dazu bläst „mein Freund“ der Nordwind und lässt die verdienten Abfahrten ins Schneckentempo abrutschen.

Nach guten 50 km gönne ich mir eine Mittags- und Aufwärmpause, da überraschend in einem Drei-Häuser-Ort ein nettes Café mit Bäckerei zu finden war. Ich weiß ja nicht was kommt (siehe gestern).

Schweden erstreckt sich jetzt noch ziemlich genau 150 km vor mir her nach Norden. Wenn ich zurückschaue, dann bin fast 2000 km in diesem unendlichen langen Land seit Göteborg vor drei Wochen geradelt. Es gibt außer Russland, wohl kein Land mehr in Europa, wo dies möglich ist.

Nachmittags war es mit dem Wind etwas besser und die „Bodenwellen“ nahmen auch langsam ab, aber es blieb sehr kalt.

Gelandet bin ich in Vittangi auf dem Campingplatz (mega primitiv) direkt an einem sehr breiten Fluß, dem Torneälven. Eine kleine sehr einfache Hütte, aber warm und die Dusche war ebenfalls angenehm warm. Das genügt mir für heute, Brotzeit habe ich inkl. „Starköl“ auch eingekauft und so sind die Basisdinge der Maslowschen Pyramide voll erfüllt.

Ich werde früh schlafen und morgen zeitig starten. Wäre gerne spätestens gegen drei Uhr an der schwedisch-finnischen Grenze in Karesuando. Mal sehen ob es klappt.

 

Gällivare – Tag 28 – Sonntag, 9.Juni

105 km / 645 hm / 6:07 h – Gesamt 2800 km / 16300 hm / 170:56 h

So der Geburtstag ist rum, war ein entspannter und schöner Tag. Beim Frühstück habe ich mich mit einem nach Deutschland ausgewanderten Schweden unterhalten, der eine relaxte Motorradtour durch Schweden fährt. Er ist mit den Hurtigruten von Bergen zum Nordkap gefahren und fährt jetzt mit seiner Maschine nach Süden bis Göteborg.

Jetzt geht mein Trip nach Norden weiter. Heute heißt mein Ziel Gällivare, das ist rund 100 km von Jokkmokk entfernt und ein Städtchen mit 8000 Einwohnern, das ist für diese Region richtig viel und hat mit dem etwas über 800 m hohen Dundret als Hausberg einen bekannten Namen in der alpinen Skiwelt.

Jetzt gegen 13 Uhr bin ich die Hälfte gefahren, ganz viel am Randes eines Nationalparks. Eine beeindruckende Landschaft, die in Poljus allerdings von einem riesigen Stauprojekt von Vattenfall aus meiner Sicht verschandelt wird. Das Nutzen dieser Wasserkraft ist aber wahrscheinlich unumgänglich.

Zwischen Jokkmokk und Gällivare gibt es also nur diese eine Ansiedlung in Poljus und da war kein Mensch, alles was an Einrichtungen existiert (Hotel, Café, Grill etc.) war geschlossen.

Nach einer kurzen Pause hat mich plötzlich ein echtes Energietief getroffen, da waren noch gut 45 km zu fahren. Als ich auf einem Parkplatz ein deutsches Wohnmobil sah, bin ich kurz entschlossen hingefahren und habe die Leute um einen Kaffee „angebettelt“.

Ein pensionierter Polizeibeamter mit seiner Frau (und pensioniertem Polizeihund) aus Winsen an der Luhe auf großer Wohnmobilfahrt durch Skandinavien (3 Monate) haben mich mit einem Capuccino und Plätzchen aus dem „Loch“ gerettet.

Gegen 17 Uhr bin ich auf der schönen Campinganlage in Gällivare und beziehe ein ordentliches Zimmer im Vandrarhem.

Ich treffe hier auch einen deutschen Radler aus Bad Bentheim wieder (Viktor), dem ich vor einigen Tagen schon in Vilhelmina begegnet war. Spannend war auch mein Austausch mit einem britischen Pärchen (Dana + Alan – www.northcape-rock.com) die am 1. Juni am Nordkap gestartet sind und in zwei Monaten Gibraltar erreichen wollen.

Jokkmokk – Tag 27 – Samstag, 8. Juni

65 km / 334 hm / 3:40 h – Gesamt 2695 km / 15655 hm / 164:49 h

Heute ist bekanntermaßen mein Geburtstag. Vor drei Jahren auf dem ersten Teilstück von Gibraltar nach Goldbach habe ich ihn in Pamplona mit einer Flasche Wein gefeiert, im legendären Café Irun.

Vergangenes Jahr habe ich den „großen Runden“ mit vielen von Euch in Schloß Weiler gefeiert

Ein Jahr später kann ich nun unmittelbar am Polarkreis in Jokkmokk (am Ende der Welt, aber Natur pur) feiern. Zunächst bin ich ziemlich dankbar, dass es mir zum einen gesundheitlich und konditionell möglich ist, eine solche Tour zu absolvieren, zum anderen, dass ich mit Marion eine Frau habe, die mir diesen Freiraum großzügig gewährt.

Heute morgen bin ich um 5:30 Uhr aus der „Geisterstadt“, die nur im Winter lebt, geflüchtet. Die Wolken hingen tief und Regen lag in der Luft. Die Straße in Richtung Jokkmokk ist vor wenigen Jahren generalüberholt worden und hat einen wirklich fahrradfreundlichen Asphalt, mit anderen Worten, es lief richtig gut und ziemlich bald war ich am Polarkreis angekommen. Da musste ich schon mal schlucken, vor knapp vier Wochen aus Goldbach hinausgeradelt und heute am Polarkreis !!!

Exakt hier klingelte auch mein Telefon einige Male und ich konnte, zu meiner Freude, die ersten Glückwünsche entgegennehmen. Mittlerweile prasselt es richtig, via SMS, E-Mail oder Facebook. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle für alle guten Wünsche.

In Jokkmokk habe ich dann erstmal einen ordentlichen Kaffee getrunken und eine Ortsrunde gedreht (sehr übersichtlich bei 2000 Ew.) und dann das Hotel Jokkmokk angesteuert.

Jetzt nach einigen Saunagängen und einer kompletten „großen Wäsche meiner Ausrüstung“, werde ich ein Nickerchen machen (es regnet immer noch) und später etwas für morgen einkaufen gehen und mir zum Abend ein Geburtstagsessen gönnen (das Starköl ist schon von Berthold und Moni Orschler bezahlt).

Morgen geht es dann wieder rund 100 km weiter nach Gällivare, langsam nähere ich mich dem Ende Schwedens.

 

Kåbdalis – Tag 26 – Freitag, 7. Juni

102 km / 746 hm / 5:48 h – Gesamt 2630 km / 15321 hm / 161:09 h

Intensiver Plausch beim Frühstück mit dem Schweizer Tandempärchen und dann aufs Rad und weiter nach Norden.

Die Gewitterwand war schon im Westen sichtbar und sie kam ziemlich flott auf mich zu. Ich erwischte gerade noch die Veranda eines Bauernhauses, niemand daheim, schade, aber zumindest blieb ich trocken.

Der Blitz schlug dann auch irgendwo in der Nähe ein. Als ich mich wieder aufs Rad setzte fuhr ich quasi von hinten wieder in den Regen. Am nächsten Haus angehalten, sitzt einer im Wintergarten, als er herauskommt stellen wir fest, dass er Deutsch kann und aus Pforzheim ist. Also plaudern wir eine Weile, leider ohne Kaffee, da der Blitzschlag die Stromversorgung in der Umgebung unterbrochen hat.

Einige Kilometer weiter bekomme ich bei seiner Frau im Eisenbahnmuseum in Mokosel ein Stück Kuchen und auch Kaffee.

Es war schön zu radeln, Rentiere wechselten sich mit Elchen ab und ab und zu kam eine Brücke über einen wilden Fluß. Am Piteälven ließ ich mich von einem Wohnmobilisten aus Künzelsau fotografieren.

Hinter mir dann wieder eine Regenwand, da schielst du schon ein bisschen ehrfurchtsvoll auf die Wohnmobile. Diesmal konnte ich dem Gewitter etwas vorneweg fahren, wurde zwar ein bisschen nass aber von Blitz und Donner verschont.

In Kåbdalis einem beliebten Wintersportort der Schweden, Anja Pärsson trainiert hier jedes Jahr mit der schwedischen Nationalmannschaft, bin ich in eine kleine Ferienwohnung direkt am Skilift eingezogen. Wirkt etwas skurril das Ganze, außer mir ist hier keine Menschenseele. Die Frau die mir die Wohnung vermietet hat, betreibt einen Gemischtwarenladen mit einer kleinen Konditorei. Da habe ich mir noch schnell einen super leckeren Kuchen und einen Klasse Kaffee reingezogen.

Für morgen habe ich mir im 60 km entfernten Jokkmokk ein Hotelzimmer gebucht um meinen Geburtstag würdig am Polarkreis zu feiern. Werde sehr zeitig hier aufbrechen um quasi zum späten Frühstück schon in Jokkmokk zu sein (ich finde den Namen cool).

Ganz nebenbei, das Gemeindegebiet von Jokkmokk entspricht in der Fläche etwa unserem Bundesland Rheinland-Pfalz, das lässt so ein wenig die Dimensionen Schwedens erahnen. Jokkmokk ist sämisch und bedeutet soviel wie „Kurve des Baches“.