Category: ARCHIV RADTOUREN


Die erste Nacht im Zelt war trocken und hat meinem gequälten Körper sehr gut getan. Die Routinen beim Zeltauf- und abbau sind noch nicht effizient; ich denke das gibt sich in den kommenden Tagen.

Mit der Autofähre von Rüdesheim nach Bingen bin ich in einen sonnigen Morgen gestartet. Dieser Teil des Rheintales bis Koblenz ist wirklich wunderschön – nicht umsonst hat er den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes. Der Rhein führt im Moment mächtig viel Wasser und ist schon ein beeindruckender Strom. Erstaunt bin ich auch immer wieder über die ungeheure Anzahl von Schiffen in beiden Richtungen. Über die Mündung der Nahe, vorbei an der Pfalz von Kaub und der Loreley und später, nach erneutem Seitenwechsel, über die Mündung der Lahn erreiche ich am Nachmittag Koblenz.
In Koblenz beginnt es zu regnen und mir bleibt nichts übrig als das komplette Regenzeug anzuziehen. Der Spuk ist nach 1 1/2 Stunden wieder vorbei und die Sachen trocknen schnell ab.
Meine Beine sind heute deutlich besser als gestern, trotzdem beschließe ich den Tag in Bad Breisig fahrtechnisch zu beenden. Meine Wetter-App signalisiert nächtlichen Regen, so daß ich mich direkt am Rheinufer im Hotel Anker einquartiere. Die klare Regel für diese Tour – Zelten so viel wie möglich – trockene Bedingungen vorausgesetzt.

 

Bestes Radwetter am Donnerstag als ich meinen „Blauen Elefanten“ gesattelt habe. Vor mir liegt ohne Detailplanung rund ein Monat auf dem Rad. Meine Vorstellung ist zunächst an Main und Rhein entlang an die niederländische Küste zu fahren und weiter entlang der belgischen und französischen Küste bis zur Loiremündung. Was am Ende tatsächlich als Route herauskommt wird sich zeigen.

Erst bin ich noch bei meinem Ausrüster Zweirad Hasenstab in Goldbach vorbeigefahren um noch einige fehlende Teile mitzunehmen und genug Luft für die insgesamt rd. 120 kg (Ausrüstung – Mensch – Rad) in die Reifen zu geben. Tino, Horst und Robert kümmern sich das ganze Jahr intensiv um meine großen und kleinen Wünsche.

Gegen Mittag fuhr ich an der Europäischen Zentralbank vorbei, mit Blick auf die immer wieder imposante Skyline dieser Stadt. Schon seit Hanau blies mir ein kräftiger Wind entgegen.
Im vergangenen Jahr bin ich mit dem „Blauen Elefanten“ relativ wenig gefahren. In Südamerika war ich ja mit meinem Müsing-MTB unterwegs. Die etwas andere Sitzposition, das Gesamtgewicht und meine mangelnde Fitness führten schon nach rund 70 km zu muskulären Problemen; vor allem beim Auf – und Absteigen ärgerten mich erste Krämpfe.

An der Höchster Fähre wechselte ich die Mainseite und kämpfte mich bis zur Mainmündung voran. Hier legte ich eine Gedenkminute ein, hatte ich doch exakt dort vor 4 Wochen mein Handy verloren und am nächsten Tag von einer guten Fee zurückerhalten.

 

Geliebäugelt hatte ich mit meiner ersten Nacht auf dem Campingplatz gegenüber der Loreley. Über Wiesbaden-Biebrich, Eltville und Oestrich-Winkel kam ich nach Rüdesheim und entschied mich für den dortigen, sehr schön ruhig gelegenen Campingplatz. Weitere 2 h bis zur Loreley wollte ich mir am ersten Tag nicht antun.

 

 

 

 

 

Vor einem knappen halben Jahr bin ich aus Südamerika zurückgekehrt, mit einem großen Sack voller spannender und neuer Erfahrungen.
Übermorgen mache ich mich mal wieder auf den Weg. Die Idee ist aktuell von der Haustür weg die Länder Niederlande – Belgien und Frankreich entlang der Küste zu radeln. Üblicherweise entscheide ich mich unterwegs meist für spontane Kursänderungen. Mal sehen !
Was den Blog angeht, so werde ich vermutlich nicht jeden Tag schreiben und immer mal wieder die Geschehnisse zusammenfassen. Unterwegs werde ich voraussichtlich den ganzen Juni sein, aber auch da lasse ich mich zeitlich einfach mal treiben, von Wetter, Wind, Lust und Laune.

Buenos Aires / Heimflug

Eine abschließende Stadtrunde im argentinischen Sommer. Um 14:30 Uhr kommt mein Shuttle zum internationalen Flughafen Ezeiza und gegen 18 Uhr startet die Lufthansa um 14 Stunden später im winterlichen Frankfurt anzukommen.

Fazit:

38 Tage in Südamerika liegen hinter mir. Ich habe mir meinen Radtraum Patagonien erfüllt. Es gab körperliche und mentale Härten auf diesen rund 2500 km durch Argentinien und Chile.

Wahrscheinlich war es die herausforderndste Tour meiner „Rad-Historie“. Ich habe jede Menge neuer Dinge gelernt, auf dem Fahrrad, im Outdoor- Bereich und in einer komplexen Gruppenstruktur und ich habe sehr interessante Menschen kennengelernt. Alfred Mähr wurde in diesen wenigen Wochen zu einem sehr guten Kameraden, mit dem ich viel gemeinsame Zeit verbracht habe.

Ich bin froh der „bequemen Idee“ auf einen Mietwagen umzusteigen, nicht gefolgt zu sein und mein selbst gestecktes Ziel „Ushuaia auf dem Rad“ erreicht zu haben.

Ich werde sicher weitere „Radabenteuer“ suchen, allerdings eher wieder als Individualist. Die vielen Vorteile in der organisierten Form werden durch eine relative „Unfreiheit“ zwar nicht wettgemacht, aber doch beeinträchtigt.

Die Entscheidung in Patagonien nicht alleine zu fahren war absolut richtig.

17. Dez. 2014 – Mittwoch

Buenos Aires

Eine Woche vor Heilig Abend verbringen wir einen Sommertag bei 30 Grad in dieser Metropole.