Es sind hunderte von Pilgern unterwegs und sicher hätte jeder seine eigene Geschichte. Ich habe gerade auf der Plaza in Viana mich eine Stunde mit einer vierköpfigen Familie aus Irland unterhalten (mit 2 erwachsenen Kindern) die jedes Jahr eine Woche den Jakobsweg als komplette Familie gehen. Ganz sympathische Leute, die alle vier schon einen mächtigen Sonnenbrand sich zugezogen haben.
Gestern hatte ich mir überlegt, dass ich morgen an meinem Geburtstag gerne auf Hemingways Spuren wandeln könnte und im Café Iruna in Pamplona eine Flasche Wein trinken möchte. Das bedeutete für heute so nahe an Pamplona heranzufahren, dass ich am 8.6. einen sehr reduzierten Radtag habe. Gesagt getan, ich bin in Viana gelandet, einem malerischen Bergdorf in Navarra und noch ca. 75 km von Pamplona entfernt. Heute habe ich mir mal zur Abwechslung ein sehr ordentliches Privatquartier genommen.
Der kastilische Windgott war gestern mein Freund, er hat mich 150 km durch diese einmalige Landschaft geschoben. Irgendetwas habe ich falsch gemacht, heute Nacht hat er schon mächtig an meinem Zelt gerüttelt. Heute am Sonntag hat er sich dann komplett gegen mich gewandt, 100 km hart und kalt in mein Gesicht geblasen. Das hätte nicht sein müssen, zumal ich die gleiche Richtung gefahren bin wie gestern auch. Na ja, ich bin dann irgendwann in Burgos angekommen, das ist die Stadt mit dieser wahnsinnigen Kathedrale. Ich bin im gleichen Hotel El Cid abgestiegen, wie vor 2 Jahren, als ich mit Richard Kampfmann den Jakobsweg gefahren bin. Es ist plötzlich mächtig kalt geworden, am Freitag saß ich noch um Mitternacht in Zamora auf der Plaza und heute muß ich meine maximale Ausrüstung anziehen.
Am 26.4. als Lehrer in Pension gegangen, ist er am 1.5. von Köln aus gestartet, bummelt jetzt weiter durch Portugal um sich im Juli dann mit seiner Frau in Santiago zu treffen. Wir haben ausführlich bei einem Bier auf dem Zeltplatz El Eden in Carrión gefachsimpelt. Ein erfahrener Radfahrer von dem ich einiges Interessantes erfahren habe. Gute Reise weiterhin. 
