SÃO PEDRO DE MUEL 1125 km

Das Meer hat mich wieder. Es ist traumhaftes Wetter und ich sitze in einem schnuckeligen Restaurant (bin allerdings der einzige Gast) und werde maximal kulinarisch verwoehnt. Der Wirt kuemmert sich mich als ob ich vier Wochen mit Vollpension gebucht haette. So jetzt kommt mein Fisch. Ganz ehrlich, so in etwa hatte ich mir das vorgestellt. Allerdings ist das nicht meine Endposition für heute. Ein bisschen Radeln ist noch angesagt. Es ist erst kurz nach zwei hier am westlichen Rand Europas und auch sehr lange hell. Ich will heute irgendwo am Meer zelten und wenn alles klappt koennte ich morgen Abend in Porto sein, da werde ich ggf. zwei Tage bleiben. Mensch und Material brauchen mal eine Generalüberholung

FÁTIMA / Portugal 1065 km

Irgendwie hatte ich heute kein rechtes Ziel und dann ist Fátima draus geworden, war doch gerade erst vor 14 Tagen der Papst hier (heißt übrigens Bento XVI. in Portugal). Zuerst hatte ich allerdings erstmal mit den Straßenbelägen in Portugal zu kämpfen. Mein einziger vollständiger Satz auf portugiesisch heißt: „povimento em mau estado“. Ratet mal was das heißt ? Ich werde mich nie wieder über den Belag in der Ortsdurchfahrt Waldaschaff beschweren.
Also mein Rad fuhr fast von allein nach Fátima, mit der kleinen Einschränkung, dass es ziemlich oben auf einem Berg liegt und ich eine gute Stunde bergauf zu tun hatte. Mittags hatte ich genau am Tejo (das ist der Rhein von Portugal) meinen ersten 1000er gefahren und dies mit einer alkoholfreien Brotzeit malerisch am Hochufer zelebriert. Der Höhepunkt war aber gerade eben ein Gottesdienst im Sanktuarium von Fátima mit etwa 1000 Pilgern aus aller Welt und einer Lichterprozession über das gesamte Gelände, das hat mich schwer beeindruckt. Das Wunder von Fátima kann man ganz gut googlen. Morgen habe ich vor den Atlantik zu erreichen.

Der Helfer im Radladen

Bei der Einfahrt nach Fátima bin ich an einem tollen Radgeschaeft vorbeigeduest und da fiel mir mein Problem von gestern ein, das gelockerte Pedal. Obwohl mir Tino Hasenstab (mein Radausstatter) ganz dringend ans Herz gelegt hatte, die Pedale bei der Endmontage in Malaga gut festzumachen, ist mir das anscheinend nicht wirklich gelungen und die Nachjustierung gestern, geisterte mir noch im Kopf herum. Also der Typ im Radladen hat mich nicht verstanden, logisch, aber dann habe ich ihm einfach gezeigt was mein Problem ist. Er sagte „klack, klack“ nahm einen supergrossen Schluessel und hat mir beide Pedale fuer immer festgezogen.

Die Ueberraschung beim Kaffeetrinken

Auf dem Weg nach Fátima stoppte ich an einem netten Restaurant/Cafe und bestellte mir an der Theke einen Kaffee. In der Auslage lag ein leckerer Krapfen mit Vanillefuellung, da konnte ich nicht widerstehen. Jetzt wollte ich nicht so plump mit dem Finger drauf deuten und sagen „dass da“. Also habe ich hoeflich gefragt wie man das auf Portugiesisch nennt, daraufhin hat mir die Wirtin gesagt „una bola“ und dann hat sie gesagt „sie koennen ihn aber auch gerne als Berliner essen“ (und zwar in bestem Schwyzerduetsch). Also das portugiesische Ehepaar hat 14 Jahre in Appenzell gearbeitet und sich dann zu Hause mit dem wirklich netten Lokal niedergelassen. Wir haben noch eine ganze Weile geratscht, die Mittagsgaeste (alles Portugiesen) haben geguckt und sicher gedacht, was ist das denn fuer eine Sprache. Mit grossem Hallo wurde ich dann verabschiedet.

PONTE DE SOR / Portugal Km-Stand: 962

Ich habe Spanien verlassen und bin in den (oder das) Alentejo in Portugal eingetaucht. Ihr muesst Euch das so vorstellen „unheimlich viel Land mit wenig drin“. Es ist wunderschoen alles blueht und es gibt eigentlich nur Olivenbaeume, Korkeichen und Weiden fuer unendlich viele Rinder und manchmal Schafe. Ein permanent wellige Landschaft, sanfte Huegel aber auf Dauer auch anstregend (rund 700 HM kamen heute zusammen). Mein erstes Erlebnis war bei der Mittagsrast in Santa Eulalia. Ich habe mir eine Brotzeit gekauft und auf dem Dorfplatz auf einer Bank verzehrt. Um mich herum standen weitere fuenf Baenke und auf jeder sass ein aelterer Herr alleine und unterhielt sich mit den anderen ueber den Platz hinweg ueber mich, da mein Portugiesisch gen Null tendiert, war das spannend, aber sie wunderten sich, was fuer einer ich wohl bin. Ich habe ihnen dann mit Haenden und Fuessen erklaert, wo ich herkomme und wo ich hinfahre, ob sie mich verstanden haben, weiss ich nicht. Als ich dann „Adios Senhores“ gesagt habe, haben sie jedenfalls applaudiert. Spaeter war es aehnlich, als ich in Monforte an meine Rad eine kleine Reparatur vornehmen musste, da stand der Aeltestenrat um mich herum und gab gute Ratschlaege. Mein Tagesform war heute unterschiedlich, getreu nach Goethe „geniesse wenn du kannst und leide wenn du musst“.
Jetzt hat mir gerade hier in einer maximal lauten Bar ein netter junger Mann seinen LapTop geliehen, damit ich kurz posten kann. Ansonsten ist die Gegend zwar schoen aber sehr aermlich.