28.7. Tallinn / Estland – 12. Tag – 963 km

Das Frühstück in der „Jugendherberge“ war sehr ordentlich. Nachts war es mal ein bisschen laut, aber ich war ziemlich müde und habe sehr gut geschlafen.

Kurz nach 8:00 Uhr saß ich auf dem Rad und bin ganz locker los gerollt. Nach ca. acht Kilometern hätte es noch eine Übernachtungsalternative zu gestern gegeben. Die nächsten fast 40 Kilometer waren dann nur Landschaft und völlig unbesiedelt. Aus einigen Infotafeln habe ich mir zusammengeklaubt, dass diese Ecke fast 40 Jahre lang ein russisches Truppenübungsgelände gewesen war. Das war für mich so nicht mehr zu erkennen, allerdings eine herrliche Landschaft, wie man sie mit Skandinavien und natürlich auch Estland verbindet.

Auf Tallinn zu nahm der Verkehr dann deutlich zu. Um der meist lästigen Suche der Unterkunft in einer großen Stadt zu entgehen, habe ich am Stadtrand meinen Garmin auf das von Tartu aus gebuchte Hotel routen lassen. Siehe da, ich bin wunderbar entspannt, trotz samstäglichem Großstadtverkehr ans Ziel gekommen.

Unmittelbar an meinem Hotel ist die Talliner Open-Air-Bühne, wunderschön gelegen, wo schon alles für das Konzert der Red Hot Chilli Peppers am Montag gerichtet wird.

Ich bin jetzt knapp 900 km in Estland geradelt und quasi wieder am Startpunkt vom 20.7. (nach Transfer mittels Fähre von Helsinki) angekommen. Die große Nord-Ost-Schleife ist damit beendet.

Heute Abend und morgen gucke ich mir Tallinn in Ruhe an und Montag beginnt dann der „West-Loop“ an der Küste entlang und hinaus auf die beiden großen estnischen Inseln.

Einige Impressionen noch aus dem hochsommerlichen Tallinn. Beim Abendessen traf dann ein Rindvieh auf den „Blauen Elefanten“, da wurde kurzerhand das Schloß dran festgemacht.

 

27.7. Jäneda / Estland – 11. Tag – 885 km

Gegen 19 Uhr musste ich mich entscheiden, d.h. ganz bis Tallinn zu fahren oder eine der letzten stationären Möglichkeiten wahrzunehmen. Die Ecke hier im Südosten von Tallinn ist touristisch nicht besucht, das erklärt die wenigen Möglichkeiten. Bei durchgängig 28 Grad heute und über 150 km in den Beinen hatte ich „keinen Bock“ beim Wildzelten auf die Dusche zu verzichten.

Ich bin in Jäneda vom Rad gestiegen und übernachte im Küalistemaja, das ist so eine Mischung aus Guest-House und Jugendherberge. Das Zimmer ist einfach, aber okay. Im Winter wird das Haus als Trainingscenter für Ski-Nordisch verwendet. Ansonsten ist ist hier eher „Prärie“ angesagt und wie immer und überall, perfekter freier W-LAN Zugang.

Für heute reichts mir auch, es ist jetzt neun Uhr, ich werde mir noch ein bisschen die Beine vertreten und dann tief schlafen. Morgen rolle ich dann entspannt nach Tallinn, wo ich mir für zwei Nächte ein Quartier organisiert habe.

 

Heute ist Transfertag, d.h. Strecke machen. Das Ziel ist möglichst nahe an Tallinn heranzufahren. Morgen und Sonntag habe ich mich am Stadtrand von Tallinn einquartiert. Ich bin im Moment, d.h. 15 Uhr rund 100 km seit Tartu gefahren. Bis Tallinn fehlen aber noch 100 km. Es ist sehr heiß heute und aktuell gönne ich mir eine richtige Mittagspause. Mal sehen wo ich dann heute Abend mein müdes Haupt niederlegen werde.

Es gab mal wieder unzählige Störche entlang der Route, bei 50 habe ich zu zählen aufgehört.

 

26.7. Tartu / Estland – 10. Tag – Ruhetag

Hier einige Impressionen aus Tartu. Die Esten sagen: „Tallinn ist der Kopf Estlands aber Tartu das Herz und das Gehirn“. Eine wirklich sehenswerte und überschaubare Universitätsstadt. Die Älteren werden sich noch erinnern, die Stadt hieß früher mal Dorpat.

 

Eine Anmerkung für meine rotarischen Freunde. Mit Freude habe ich gelesen, daß der Rotary Club Tartu Toome heute Nachmittag um 17 Uhr gerade 100 m bei mir um die Ecke sein Meeting hat. Also bin ich vorhin mal vorbei und habe gefragt, ob der Termin stimmt. Die Antwort war – ja – aber der Rotary Club hat Sommerferien ! Schade, ganz nebenbei bemerkt, wäre ein reiner Frauenclub gewesen.

Ich sitze jetzt an einem herrlichen Sommerabend, nachdem ich doch ein bisschen rund um Tartu geradelt bin, auf einer Restaurant-Terrasse und lasse meinen Ruhetag ausklingen.

Morgen geht es nach Norden in Richtung Tallinn. Ich werde zwei Tage brauchen um die Landeshauptstadt zu erreichen. Rund 900 km bin ich dann auf dieser Nordostschleife geradelt. Meinen „Blauen Elefanten“ habe ich heute gründlich sauber gemacht. Er ist bereit zu neuen Taten.

 

25.7. Tartu / Estland – 9. Tag – 718 km

Eine sehr angenehme und ruhige Nacht in dem riesigen Kiefernwald verbracht. Um 8 Uhr rollte mein Fahrrad komplett gepackt „vom Hof“. Es ging nach kurzer Zeit auf eine gute und relativ wenig befahrene Straße entlang des Peipussees.

Bei meinem ersten Stopp traf ich die vier Berliner von vorgestern wieder, die allerdings aus Dresden sind, alles stramme Männer um die siebzig. Das signalisiert mir noch „Luft nach oben“. Einige Zeit fuhren wir immer so auf Sichtweite, bis wir uns in den Dörfern am Ufer aus den Augen verloren.

In Kallaste einem „Seebad“ mit sehr herbem Charme, gab es eine super besetzte Tourist-Info. Die junge Dame war nicht nur hübsch, sondern auch wirklich sehr hilfsbereit. Ich bekam meinen ersten Kaffee des Tages (13:00) von ihr, sie reservierte mir mein Hotel in Tartu für die beiden folgenden Nächte und ich konnte einen schnellen Internetzugang benützen. Darin sind die Esten wirklich Weltmeister, die wählen nicht nur per SMS, die haben in vielen Dörfern einen freien Internetzugang für jedermann, in den Städten sowieso und Hotels, Cafés und Restaurants werben ganz aktiv damit.

25 km weiter habe ich in einem ganz kleinen Fischerdorf geräucherten Fisch aus dem Peipussee gegessen in einer Art Kulturzentrum und dabei eine ganze Menge über das tägliche Leben in dieser Einsamkeit am See erfahren. Der See ist Sommers wie Winters der Mittelpunkt des Lebens der Menschen hier. Rund um ihn leben sehr viele Russen und das Verhältnis zu den „heimatstolzen“ Esten ist eher zwiespältig. Als Nachtisch habe ich mir bei der russischen Oma ein paar Mohrrüben gekauft.

Der restliche Nachmittag ging radtechnisch ziemlich zäh dahin, mal war es der Wind, mal der Belag und so richtig gut saß ich heute auch nicht auf dem Rad.

Nach rund 120 Tageskilometer war ich dann in Tartu, der zweitgrößten Stadt Estlands, die viele als die Perle Estlands bezeichnen . Der Kontrast zur fast russischen Stadt Narva vorgestern könnte nicht größer sein. Eine vor Lebensfreude sprudelnde Stadt, ganz viele junge Leute durch die beliebte Universität und eine sehenswerte Straßengastronomie.

Also genau recht für den Tag Pause morgen. Erstmal ausschlafen, in aller Ruhe frühstücken und dann die Stadt erkunden. Nachmittags ist dann sicher ein bisschen Pflege des Fahrrads angesagt.