Spät losgefahren, aber trotzdem flüssig vorwärts gekommen. Guter Tipp unterwegs von zwei deutschen Radlern nicht die Schotterstrecke an der Küste zu fahren.

Hier in Liepāja (hieß mal Libau), der immerhin drittgrößten Stadt Lettlands, ist es ein wenig trostlos am Sonntagnachmittag. Die Stadt mit ihrem Kriegshafen spielte im 2. Weltkrieg eine wichtige Rolle. Später haben die Russen im Stadtteil Karosta wichtige militärische Einrichtungen unterhalten. Ist alles dem Verfall preisgegeben.

Ein kurzer Essenstopp gibt mir Gelegenheit den kenianischen Dreifacherfolg im olympischen Marathon live mitzuerleben.

Fahre jetzt weiter nach Süden in Richtung Litauen, solange ich heute Lust zum Fahren habe.

 

Sehr langsamer Start in diesen herrlich frischen und sehr sonnigen Sonntag. Ich genieße noch eine Tasse ausgezeichneten Capuccino bevor ich mich nach Liepaja aufmache und damit dann schon fast die Grenze zu Litauen erreiche.

In einem richtigen Bett schläft es sich doch etwas besser als in meinem schönen Zelt.

 

Ventspils erhält von mir den Titel „fahrradfreundlichste Stadt des Baltikums“. Sensationelle Radwege in die Stadt hinein, durch die Stadt und auch wieder hinaus. Respekt !! Auch wenn wenige Kilometer nach Verlassen der Stadt eine 15 km lange Naturpiste zu bewältigen war.

Bei meinem Treffen mit den rotarischen Freunden aus Riga empfahl mir einer – falls ich nach Jurkalne komme – im Hotel Zaku Krogs einzukehren. Genau das habe ich dann am Nachmittag auf dem Weg von Ventspils nach Süden getan.

Zum einen wurde es ziemlich frisch im Laufe des Nachmittags, zum anderen hatte ich nach zwei Tagen Zelt und „Thermarest“ mal wieder Lust auf ein richtiges Bett. Auch musste meine ganze technische Ausrüstung unbedingt wieder ans Stromnetz.

Zum Abendessen habe ich zum ersten Mal in meinen Leben Elch-Steak gegessen, das musste ich einfach probieren. Schmeckt ein bisschen nach Wild, die Pilzsoße dazu fand ich am Besten.

Hier in Jurkalne machen etliche Letten mit ihren Familien Urlaub, der Strand ist unendlich lang und gilt mit seiner bis zu 20m hohen Klippe als besonders sehenswert.

Es steht auch ein Denkmal am Ufer der Ostsee für diejenigen Letten die im Winter 1944/45 versucht haben, vor der anrückenden „Roten Armee“ über die eisige Ostsee nach Gotland in Schweden zu fliehen.

Einige Anmerkungen zu meinen Wahrnehmungen hier in Lettland:

  • Es fühlt sich etwas „russischer“ an, in Sprache und Umgang, als Estland.
  • Nochmal zum Thema Frauen, also in Riga habe ich tatsächlich eine ganze Reihe wirklich schöner Frauen gesehen !
  • In jedem Lokal in dem ich war, dudelte sehr laute und meist schreckliche Musik
  • Die Letten haben sich riesig gefreut über ihre Goldmedaille im BMX-Fahren und die Bronzemedaille im Beach-Volleyball der Männer
  • Die Umgangsformen unterscheiden sich häufig von unseren Gewohnheiten
  • Ein Lichtblick ist die junge Generation, ich habe sehr viele nette Jugendliche begegnet, da wachsen Europäer heran
  • Die Letten sind begeisterte Beerensammler im Sommer, da kriechen hunderte durch die unendlichen Wälder. Der Blaubeerkuchen den es oft gibt, ist aber auch wirklich lecker
  • Riga ist eine sehr interessante und besuchenswerte Stadt, die Strände an der gesamten Küste sind unendlich lang, allerdings mit wenigen Ausnahmen auch unendlich einsam
  • Es ist ja hinlänglich bekannt, dass sowohl die Esten als auch die Letten leidenschaftliche Sänger und Sängerinnen sind, sie haben sich ja quasi die Unabhängigkeit Anfang der 90er Jahre ersungen. Ich habe jetzt hier im Hotel eine Live-Darbietung einer gesangesfreudigen Gesellschaft. Ich muss sagen das hört sich sehr gut an !

Gute Nacht für heute !

 

Es gibt so Städtenamen auf der persönlichen Landkarte, da muß ich einfach mal hin. Einer davon ist Ventspils, ein anderer war vor etlichen Jahren Ystad in Schweden (da war ich dann 2001).

Also jetzt bin ich Ventspils angekommen, von hier aus geht eine Fähre nach Sassnitz auf Rügen. (Stimmt garnicht, die geht erst ab Klaipeda). 2002 war hier das Jahr der „Cow Parade“, demzufolge stehen an allen Ecken Kühe und sind damit natürlich beliebte Fotoobjekte.

Ich mache eine intensive Mittagsrast in dieser touristisch belebten Hafenstadt. Heute Abend will ich, irgendwo weiter in Richtung Litauen, am Meer Station machen.

 

Heute war ein Tag auf einer solchen Tour, wie es ihn immer wieder mal gibt. In der Nacht keine Auge zugemacht, sechs Stunden Gewitter unmittelbar am Meer habe ich noch nicht erlebt. Morgens dann Sturm und Regen quer. Ich dachte mein Vaude Zeltchen wird zerfetzt. Keine Aussicht auf überhaupt losfahren.

Gegen 11 Uhr dann doch los in voller Regenkluft mit klatschnasser Ausrüstung in den Taschen um festzustellen dass fünf Kilometer weiter eine ordentliche Bleibe gewesen wäre. Der Weg zum Kap Kolka schien endlos, Wind natürlich brutal von vorne, der Belag so schlecht wie nur vorstellbar.

Aber es gab Licht am Horizont, sukzessive wurde die Regenausrüstung ausgezogen und als ich dann endlich an dem wirklich eindrucksvollen Kap war, war ich zwar kaputt und gefrustet, aber die Sonne kämpfte sich durch. Wiedermal war Trocknen angesagt, das geht wirklich auch ratz-fatz.

Eingestellt war ich jetzt auf eine Schotterpiste in Richtung Ventspils, so steht es überall geschrieben und so ist es auch in den Karten etc. Aber welche Überraschung, das war die wohl neueste und beste Straße in ganz Lettland. Kein Verkehr, Sonne von vorne und Wind von hinten und plötzlich auch Druck auf den Pedalen. Schnell war der Frust vergessen und es ging im 25er Schnitt dahin (mit voller Ausrüstung). Das große Kettenblatt kam erstmals wirklich richtig zum Einsatz auf dieser Tour.

Ich bin heute rund 100 km quasi immer dicht an der Küste entlang gefahren, meist nur getrennt durch einen Waldstreifen, es ist unglaublich wie schön und naturbelassen diese Strände sind.

In Mikeltornis ein sehr schön gelegener und sehr gepflegter Campingplatz, warme Dusche und guter Platz für mein ja wieder trockenes Zeltchen.

Also Fazit für heute: Ende gut alles gut.