20.8. Kwidzyn / Polen – Tag 35 – km 3023

Gegen acht Uhr verlasse ich diese wirklich wunderschöne Altstadt, gerade werden auch die restlichen Buden und Stände des Jahrmarkts abgebaut, so dass wieder Alltag einkehren kann.

Nach dem sehr heißen Wochenende stand die Wetterprognose auf Gewitter und die erste Front ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich hatte mich gerade so aus Danzig hinausgemogelt da wurde es schon mächtig finster. Mit einem 3 km langen Spurt bei Tempo 35 habe ich ein Dach in irgendeinem Dorf erwischt bevor es dann mächtig abging. Ich bin trocken geblieben. 30 Minuten später konnte ich wieder fröhlich weiterfahren.

Der erste Höhepunkt war eine wunderbare Brücke bei Tczew, ehemals Dirschau, über die Weichsel, die im September 1939 von polnischen Einheiten gesprengt wurde, im Verlauf des Krieges behelfsmäßig genutzt wurde und erst 1957 wieder fertiggestellt wurde. Heute rollt der Verkehr zwar weiter südlich über die Autobahnbrücke und die Bahn hat auch ihre eigene neue Brücke, es bleibt aber ein beeindruckendes Bauwerk und ich durfte den „Blauen Elephanten“ drüber steuern.

Weiter ging es in Malbork, mit der berühmten Marienburg, die mächtig am Ufer der Nogat thront. Ferienbedingt war ziemlich viel los, so daß ich es bei einer Besichtigung von außen beließ.

Die folgenden Stunden bin ich in der „preußischen Kornkammer“ zwischen Nogat und Weichsel gefahren, wo viele fleißige Bauern mit ihren Getreidefeldern beschäftigt waren. Irgendwo waren auch immer Gewitterwolken die mich jedoch unbehelligt ließen.

In Kwidzyn, dem ehemaligen Marienwerder, wo ebenfalls eine mächtige Ordensburg zu bewundern ist, habe ich mich gerade noch ins Hotel retten können, bevor der nächste Guß heranzog. Da hatte ich doppelt Glück, denn eigentlich waren sie ausgebucht, doch just als wir über Alternativen sprachen, kam ein Storno herein und ich war „gerettet“.

 

19.8. Gdańsk / Polen – Tag 34 – km 2895

Heute war ein strahlender Hochsommertag mit deutlich über 30 Grad. Um 8:30 Uhr bin ich mit ganz vielen anderen Leuten mit der Fähre hinaus auf die Halbinsel Hel gefahren. Das dauert knapp zwei Stunden und ist ein beliebtes Sommerziel, sowohl für Tagesausflügler, wie auch Dauerurlauber.

Entsprechend voll sind die Strände auf beiden Seiten der Halbinsel, die etwas 35 km lang ist. Ich bin ein bisschen mit dem Rad hin- und hergefahren und war natürlich auch am Strand. Ich habe mich sogar erstmals auf der Tour in die Ostsee gewagt (mit Badehose), quasi zum Abschied von der Küste.

Morgen starte ich den „Heimkehrschwung“ nach Berlin, zunächst nach Malbork (Marienburg) und weiter Richtung Westen. Ich denke, dass ich am kommenden Wochenende die Tour in Berlin beenden werde.

Hier noch einige Bilder aus Danzig vom Wasser aus.

 

18.8. Gdańsk / Polen – Tag 33 – km 2865

Einige Impressionen aus Danzig.

Die Innenstadt ist ein einziger Markt auf dem alles angeboten und verkauft wird, was man sich nur vorstellen kann, also sprichwörtlich „von der Stecknadel bis zum Sarg“ es gibt einfach alles.

Nachmittags habe ich das getan, was wohl am Samstag bei schönem Wetter alle Polen tun, ich bin hinausgefahren an den Strand von Sopot. Habe ich bisher ungefähr 800 km menschenleere Strände in den letzten Wochen gesehen, so war das heute das Gegenteil. Auf ca. 10 km Strand war es rappelvoll.

 

17.8. Gdańsk / Polen – Tag 32 – km 2828

Die Übernachtung in Tolkmicko war bestens. Beim Aufwachen drohten dunkle Wolken, so dass ich mich mit dem Abbauen und Einpacken des Zeltes beeilte. Ging aber dann doch vorbei.

Im Dorf fragte ich in einem kleinen Lebensmittelladen nach Kaffee, da wollte mir die gute Frau ein Pfund Kaffee verkaufen. Wie es der Zufall wollte sprach der Inhaber des Ladens exzellent Deutsch, ein etwa 30jähriger Mann, der einige Jahre auf dem Bau mit deutschen Kollegen in Italien gearbeitet hat und so haben sich seine guten Sprachkenntnisse ergeben. Ich bekam einen Kaffee gekocht, es gab leckere Krapfen und wir saßen fast eine Stunde vor dem Laden und sprachen über ganz viele Dinge.

Auf der Weiterfahrt wurde ich kurzzeitig etwas nass. Ein deutlich größeres Übel war allerdings der eingestellte Fährbetrieb an der Nogat, was mir rund 20 km an „Zugewinn“ einbrachte. Was sind schon 20 km gemessen an der Gesamtheit, trotzdem müssen sie halt auch gefahren werden.

Durch eine wenig befahrene und dünn besiedelte Agrarlandschaft bin ich dann wieder an die Küste gekommen, eine interessante Überfahrt über die Weichsel mit der Fähre und später über eine Pontonbrücke über die „Tote Weichel“. Gegen 17 Uhr war ich in Danzig. Das Wetter hatte sich ab Mittag zu einem wolkenlosen blauen Himmel entwickelt und so habe ich mir zuallererst ein Bier an der Mottlau gegönnt.

 

Das erste Hotel, das ich angefahren habe war leider ausgebucht, aber die Dame an der Rezeption ließ mich in das WiFi des Hotels einwählen und so konnte ich mir in aller Ruhe eine Bleibe suchen und buchen.

Blick vom Hotelzimmer

Ich habe ein sehr nettes Hotel gefunden, in der zweiten Reihe am Fluß gelegen, sehr ruhig und serviceorientierte Mitarbeiter (wie wohltuend nach den Kaliningrader Episoden).

Ich werde Samstag und Sonntag hierbleiben, mir die Stadt in Ruhe ansehen (als leidenschaftlicher Günter Grass-Leser), da gibt es Orte die mich interessieren und den Sonntag vielleicht ein bisschen am Strand verbringen und auch hinaus nach Sopot und Gdynia fahren.

 

16.8. Tolckmicko / Polen – Tag 31 – km 2735

Es liegt kein Land mehr zwischen hier und daheim, auch wenn ich noch im nordöstlichen Teil Polens, also da was mal Ostpreußen hieß, bin

Kaliningrad war ziemlich „strange“, im Hotel herrschte keine gute Atmosphäre, auch wenn es zu den Top-Adresse in der Stadt zählt. Ich habe noch eine kleine Radrunde nach dem Frühstück gedreht, die Aufwartungen an Immanuel Kant und Herzog Albert gemacht und dann raus aus der Stadt. Das lief deutlich besser als hinein

Die gut 50 km bis zur polnischen Grenze ließen sich gut fahren, auch wenn es teilweise sehr eng zu ging. Die Ausreise war witzig, es gab eine lange Schlange von Autos an der ich gemütlich vorbeifuhr. Als ich an den ersten Posten kam, rief ich fragend „bicycle “ und wurde sofort bearbeitet. Nur an Posten 4, dem letzten, begann die Lady zu zicken, sie wollte meine Fahrzeugpapiere sehen ? Ich erklärte ihr dass ich keine habe, worauf sie meinte, jedes Fahrzeug hat Papiere. Hinter mir standen drei russische Matronen, die sich wortreich einmischten und ihrer Landsfrau wohl erklärten, dass der „Blaue Elephant“ ein Fahrrad sei und dafür nicht einmal in Russland Papiere gebraucht werden.

Nach einiger Zeit gab sie mir maximal verächtlich meinen Pass zurück und ich war in Polen. Da gab es auch nochmal einen längeren Check, die nehmen ihre Aufgabe als Außengrenze Europas offenbar sehr ernst. Nach mir wurde eine Leipziger Famile abgefertigt, die mehr als fünf Stunden bis zur Einreise nach Polen brauchten. Das muß man nicht wirklich verstehen.

Die erste Stadt in Polen war Braniewo und plötzlich war wieder alles da, eine Bäckerei, ein Eiscafé und sogar ein Lidl-Markt und die Orte haben wieder eine Struktur, da gibt es Kirchen und zentrale Plätze.

Über die Kopernikus-Stadt Frombork (Frauenburg) bin ich dann hier ans sogenannte „Frische Haff“ gekommen, wo ich einen wunderbaren Standplatz für mein Zelt auf einem großzügigen privaten Gelände fand.

Morgen denke ich fahre ich nach Danzig, vielleicht bleibe ich da das Wochenende bevor es dann definitiv nach Berlin geht.