Tombstone heute Morgen friedlich und ohne Wind – glasklare Luft – herrlich.

Ich stärke mich für den Radtag im nahegelegenen O.K. Café – bummele nochmal über die Mainstreet und starte auf die rd. 80 Tageskilometer nach Douglas.

Lockere Kletterei aus Tombstone hinaus und dann 35 km wirklich vom Feinsten – super Asphalt – kaum ein Auto – leicht bergab – leichter Schiebewind.

Ruck-Zuck bin ich in McNeal – an der Kreuzung zur 191 – die Minitankstelle und ein kleiner Food-Mart sind geschlossen – ein Ort den ich guten Gewissens auf meine Liste der „traurigen Plätze“ setzen kann.

Auch auf den verbleibenden rund 20 Meilen fliege ich förmlich dahin. Erstmals auf meiner Tour fahre ich längere Zeit mit dem großen Kettenblatt.

Kurz vor 2 pm rolle ich vor das Hotel Gadsden, wo ich heute die Nacht verbringen werde.

Ein über 100 jähriges Haus mit einer eindrucksvollen Geschichte.

Douglas ist Grenzort zu México – auf der anderen Seite ist Agua Prietra der Grenzort – dort werde ich zu Abend essen.

War jetzt nicht wirklich prickelnd – vor allem hat mich der „Grenzverkehr“ interessiert – ich konnte völlig problemlos nach México und zurück.

Der Officer bei der Einreise in die USA hatte wohl noch keinen deutschen Pass gesehen. Er gab sich mit meiner Erklärung zufrieden.

„Vom Winde verweht“ könnte ein Tagesmotto sein – oder „Sturm über Arizona“ ein anderes.

Aber der Reihe nach, schon beim Verlassen des Hotels pfiff der Wind durch die Gassen von Douglas.

Ein paar Blocks entfernt frühstücke ich in einem chicen Café – es gab sogar super leckeren Capuccino.

An der Tankstelle Verpflegung eingekauft und los ging es, auf die rund 80 km, die vor mir lagen bis nach Rodeo – einem sehr kleinen Ort – in the middle of nowhere.

Welch ein Glück für mich, der Wind der später zum Sturm eskalierte, kam oft von der Seite schiebend und meistens aber als absoluter „tailwind“.

So brauchte ich gerade mal vier Stunden – incl. 400 Höhenmetern bis zum Ziel in Rodeo. Es war einfach herrlich – eine wenig befahrene Straße mit sehr gutem Belag und tolle Landschaften.

Unterwegs habe ich 1000 km gefahrene Kilometer überschritten, mit New Mexico meinen dritten Staat erreicht, bin ungefähr 5 km in einem „Sandsturm“ gefahren und habe mein erstes Javelina gesehen.

Etwa 10 km vor der „stateline“ kam ich durch den Ort Apache (max. drei Häuser) und kurz dahinter zum Geronimo-Surrender-Monument (Details bei Wikipedia).

Leider tobte der Sturm derart, dass ich nur kurze Zeit dort verbracht habe.

Wenig später war ich an der Mountain-Valley-Lodge angekommen – via AirBnb hatte ich mich gestern im „Cowboy-Room“ eingebucht.

Heute mal ein paar Fakten zur Tour;

Rund 1100 km gefahren – Kalifornien und Arizona durchquert, New Mexico steht an.

Meine Energie auf dem Rad ist – nach der Quälerei in den ersten Tagen – mittlerweile sehr gut. Mir bekommen die Tagesetappen zwischen 70 km und 90 km sehr gut.

Gesundheitlich passt alles – durch die Höhe und stellenweise Kälte bedingt hat sich ein leichter, trockener Husten entwickelt, stört nur nachts ein wenig.

Der Blaue Elefant läuft hervorragend – ich sitze exzellent – technisch alles perfekt – lediglich am vorderen Bike-Stand hatte ich eine Schraube verloren – konnte heute in Animas ersetzt werden.

Der Biketag heute war eine Kopie von gestern, lediglich der Wind war schwächer – Gottseidank weiterhin als tailwind.

Die Landschaft ist bizarr, die Form der Wüste ändert sich ständig, mal felsig, mal niedrige Büsche.

Auf den rund 250 km von Douglas nach Columbus bin ich beständig zwischen 1200 und 1500 Höhenmetern – endlose Hochebene.

Die Höhepunkte sind tatsächlich die wenigen Tankstellen/FoodMarts.

Heute kam es ja auch zur Überschreitung der Continental Divide, also die kontinentale Wasserscheide der USA.

Eine Story ist ganz interessant, die Border Patrol ist ständig präsent. Ihre sandige Kontrollroute neben der Straße wird mit schweren Autoreifen an Ketten glatt gezogen (wie am Strand), so dass „unerlaubte“ Spuren leicht erkennbar sind.

Tagesziel ist Hachita, NM ein windumtoster Miniflecken mit wenigen Häusern. Jedoch mit einer Besonderheit – hier beginnt oder endet (je nach Sicht) die sog. Great Divide – eine Wander bzw. Bikeroute zwischen Kanada und Mexico.

Die Community stellt ihr „Center“ als rustikale Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung – für 20 $ hat man ein Dach über dem Kopf, eine superwarme Dusche und perfektes Wifi.

Mein alternativloser Platz für diese Nacht – es wird laut bleiben, da der Wind um das Haus pfeift. Momentan bin ich alleine in den riesigen Räumen, die Saison für die Great Divide hat noch nicht begonnen.

Der Wind hat gestoppt und „ein Wunder“ im Kühlschrank ist reichlich Bier – höre coole Western-Musik und trinke ein paar IPA‘s.

Habe wirklich sehr gut geschlafen in der großen Halle des Community Centers. Kein Wind und keine Autos während der Nacht haben ihren Anteil daran.

Kurz vor acht Uhr bringe ich den Schlüssel an die Tankstelle, trinke noch einen Kaffee bei Amanda und mache mich auf den Weg.

Auf den kompletten 70 km gab es nichts, außer der großartigen Landschaft. Die einzige Abwechslung brachten einige „Overload-Konvois“, die ich besser im Stehen passieren ließ.

Nach zwei Tagen kräftiger Windunterstützung blieb diese heute aus, ein leichter headwind erzwang mehr Druck auf die Pedale.

In Columbus angekommen habe ich im Border-Café, der Grenzübergang nach Mexico ist gerade mal 3 Meilen weg, ein paar Quesadillas zum Lunch gegessen.

Am Ortsrand – ca zwei Meilen weiter liegt das „Hole in the Wall Getaway“ wo mich mein Host Addison willkommen hieß.

Sehr schönes Häuschen mit viel Platz drumherum – ich genieße den Nachmittag in dem schönen Patio.

Ein bisschen Sorgen macht mir eine „Windwarnung“ für die Region morgen – ab Mittag soll es wieder stürmen.

Wahrscheinlich starte ich frühzeitig in Richtung der Randgebiete von El Paso, das sind rund 100 km entlang der Grenze ohne Infrastruktur.

Stuck in Columbus !!!

Für heute ist eine extreme Sturm- und Staubwarnung für die gesamte Region ausgegeben.

Windgeschwindigkeiten bis 100 km/h sind in der Spitze prognostiziert.

Das Risiko auf eine 100 km lange Etappe ohne jegliche Infrastruktur zu gehen und gegen Mittag vom Sturm eingeholt zu werden, gehe ich nicht ein.

Zwei Optionen – einen weiteren Tag bei Addison – im Hole of the Wall Getaway – bleiben oder ein Car Shuttle nach Santa Teresa – mit dem Auto max. 1 1/2 h Fahrzeit.

Die Prognose für Freitag ist ein bisschen besser, aber nicht wirklich gut. Es spricht vieles für den Shuttle.

Ich bin sehr froh, dass Addison mich über diese 100 km mit dem Auto hier nach Santa Teresa gebracht hat – in ein paar Stunden wird auch hier der Sturm eintreffen.

Und schon ist er da – good to be safe – richtig entschieden. Thx again Addison 🙏

Von Santa Teresa nach DownTown El Paso sind es etwa 2 Stunden morgen mit dem Rad.

Für das Wochenende habe mich soeben in einem AirBnB einquartiert – nicht weit von der Amtrak-Railway-Station.

Am Montag geht dort meine Reise weiter, zunächst mit dem Zug, dem Texas Eagle, nach San Antonio.