Kein Fake – nach exakt 3333 km Rolle ich vor die Tür des Hotels de l'Abeille in Orléans – Super nettes französisches Innenstadthotel – mein „Blauer Elephant“ darf in der Bibliothek im Keller übernachten. Hat er verdient – mit nur einem Platten auf der ganzen Route und überraschend vielen Naturwegen – gerade an der Loire.

Mein Besuch am Bahnhof zeigt recht schnell, das was die Lady gestern in Blois recherchiert hat funktioniert nicht. Das Fahrrad müsste verpackt werden – na hallo – ich will doch nicht von Ushuaia nach Hause fliegen.

Also mit viel Geduld – und der Mithilfe des gesamten Personals der SNCF vor Ort – habe ich jetzt ein Ticket mit Fahrrad bis Saarbrücken. Viermal Umsteigen incl. Bahnhofswechsel in Paris – je nach Barrierefreiheit – kann das ein anstrengender Tag werden.

Nach 32 Tagen Radfahren wird das schon klappen – best case bin ich gegen Mitternacht zu Hause.

Habe mir gerade Orléans ein bisschen näher angeguckt – wirklich eine interessante und schöne Stadt. Bei 34 Grad praller Hitze war es in der riesigen Kathedrale am angenehmsten.

Noch ein französisches Abendessen und dann mentale Vorbereitung auf den Transfertag.

 

Beim Aufwachen – leichter Regen – und keine Lust auf Radfahren. Bin über die Brücke – die letzten Plätze waren immer auf Loireinseln – nach Amboise geradelt und habe nach einem leckeren Frühstück mir die sehenswerte Stadt ein bisschen angeguckt.

Die Sonne kämpfte sich auch gerade zurück und so bin ich mit müden Beinen (wenn der Kopf müde ist sind es die Beine auch) in Richtung Blois gerollt. Oben am Schloss eine lange Mittagspause und später zum Gare SNCF gefahren. Die Info-Lady war mega-nett – sprach nur Französisch – und meinte mit dem Rad – kein Problem. Sie hat mir eine Verbindung getrackt, da wäre ich am Montagabend in Frankfurt !?

Einige Kilometer hinter Blois habe mich aufs Ohr gelegt – später noch ein nettes Kernkraftwerk passiert – die machen mir echt Angst – und in Beaugency im netten Klosterhotel nach einem Zimmer gefragt. War leider wegen einer Familienfeier ausgebucht. Also über die schöne alte Brücke auf den Campingplatz und nach dem „Hausbau“ und der Hygiene wieder hinüber, in den herrlichen Restaurantgarten und fürstlich gespeist.

Camping ist jetzt beendet – 21 Nächte von 32 möglichen ist ein gutes Ratio – hatte ich noch nie – außer in Südamerika, da gab es keine Alternativen.

Morgen in Orléans wird sich am Bahnhof zeigen – wie der Heimweg aussieht. Leider kann ich es nicht so machen, wie Hansarthur im Kommentar angesprochen hat – alle Züge fahren über Paris. Eine Direkt-Verbindung von Orleans nach Metz oder Nancy gibt es nicht. Bahnhofwechsel ist in Paris obligatorisch – speziell wenn du von Süden kommst und nach Osten willst. Eine kurze spannende Radtour durch Paris muss wohl sein.u

 

Saumur am Freitagmorgen und wieder ein prächtiger Sommertag, der am Nachmittag richtig heiß werden sollte. Ein paar Besorgungen und ein Frühstück in einem der zahlreichen Cafés, wo gerade die ersten Gäste eintrudeln.

Die Landschaft entlang der Loire hat viel Ähnlichkeit mit unseren Flußlandschaften, hier im Département Indre-et-Loire dominiert der Wein, wobei es eher „Felder“ als Hänge sind auf welchen die Reben stehen.

Rechts der Wein und links ein riesiges Kernkraftwerk – das gehört auch zur französischen Landschaft in dieser Region.

Immer wieder gibt es nette Rastplätze und an einem schattigen Fleckchen direkt an der Loire mache ich eine ausgiebige Mittagspause.

Manche der großen Châteaux, wie Chinon oder Azay-le-Rideau liegen 10 bis 15 km von der Radroute entfernt, diese „Umwege“ fahre ich jetzt am Ende meiner Tour nicht mehr.

Tours ist am Freitagnachmittag ein Städtchen, das zum Verweilen einlädt. Der Loireradweg führt einen perfekt und stressfrei mitten ins Zentrum.

Später geht es gute zwanzig Kilometer weiter bis Amboise – die üblichen Routinen – Platzsuche – Zeltaufbau – Hygiene. Ein Plausch mit meinen walisischen Nachbarn und ein Abendessen beenden meinen 30. Radtag.

 
Mein Kopf ist jetzt auf Heimkehr ausgerichtet. Wahrscheinlich werde ich in Orléans den Zug nach Paris nehmen und gucken wie ich mit dem Fahrrad weiter in Richtung Deutschland komme. Alles was ich gehört und gelesen habe – ist das nicht ganz easy.

 

Guter Start in einen sehr sonnigen – nachmittags über 30 Grad heißen Radtag. Frühstücke in dem Hotel an der Brücke – wo ich zu Abend gegessen habe – unmittelbar vor der Tür geht meine Route weiter nach Osten.

Ich begegne morgens schon relativ vielen Tourenfahrern – die Loire ist sehr beliebt – vor allem zerlegt in einzelne kurze Abschnitte. Nach einer guten Stunde verpasse ich einen Abzweig und anstatt zurückzufahren versuche ich einen Weg nach vorne zu finden. Die Loire verzweigt hier in viele Nebenarme und zwei kleine Zuflüsse. Ich habe mich total verfahren und musste am Ende eines Weges auf einer Halbinsel von einer freundlichen Familie „gerettet“ werden. Der gute Mann fuhr mehrere Kilometer mit mir durchs Gebüsch um mich wieder auf die Spur zu bringen.

Ansonsten ging es mal näher – mal weiter an der Loire entlang. Nach einem stärkenden Picknick gönnte ich mir ein kleines Nickerchen und gegen 18 Uhr tauchten schon die ersten Häuser von Saumur auf. Hier sind etliche namhafte Winzer ansässig und das Städtchen macht einen netten Eindruck.

Auf einer Loireinsel – mit Blick auf das eindrucksvolle Schloss – war Ende für heute. Der Campingplatz ist sehr gut besucht – meist von Wohnmobilisten – Engländer und Holländer sind zahlreich vertreten. Ein intensiver Froschgesang war die Begleitmusik zum Einschlafen.

 

An der Loire zurück – das war meine Idee- und heute habe ich einen Teil davon realisiert. Die ersten 50 km von meinem Manoir l'Esperance bis Nantes waren eher auf provisorischem Terrain und wenig spannend.

Nantes habe ich von Westen her angefahren und erstmal schrecklich erlebt – durch endlose Industrie- und Hafengebiete. Im Stadtzentrum entpuppte sich allerdings eine auf den ersten Blick sympathische Stadt und eine der fahrradfreundlichsten Städte, die ich auf vielen Kilometern in Europa erlebt habe.

Das tolle Wetter, welches mich ja schon einige Tage begleitet und hoffentlich auch so anhält, macht natürlich schon mal 30 Prozent aus. Viele lebensfroh wirkende Menschen, die Cafés waren besetzt und es herrschte eine relaxte Atmosphäre in dieser doch immerhin rund 250 Tsd. Einwohnerstadt.

Ich machte einige Besorgungen und weiter ging es auf dem Weg nach Osten. Die Radroute „La Loire à Vélo“ ist spitzenmäßig markiert und auf weitgehend autofreien Straßen oder gut befahrbaren Naturwegen angelegt.

Es gibt keinen Wind und außer einigen Brückenanstiegen auch keine Höhenmeter mehr. Die Loireufer werden immer mal wieder gewechselt und das Rad rollt. Pro Stunde begegneten mir auch so 3 – 4 vollgepackte Tourfahrer – meist zu zweit in der Gegenrichtung.

 
Mein Tag endete zwischen den Départements Loire-Atlantique und Maine-et-Loire auf einem Campingplatz bei St.Florent-de-Vieil. Den Abend ließ ich in einem netten Brückenrestaurant direkt an der Loire bei einem anständigen Menü ausklingen.