Heute morgen erwartete mich strahlender Sonnenschein. Ich verließ Fairbanks auf dem Richardson Highway in Richtung Südosten.

Nach anfangs dichtem Verkehr wurde es nach ca. 20 km deutlich ruhiger. Etliche Meilen lang passierte ich ein Militärgelände mit dem dringenden Hinweis nicht zu fotografieren.

Erstmals konnte ich für kurze Zeit in einer kurzen Radhose fahren. Relativ schnell zogen ein paar dunkle Wolken auf und es begann kurz zu regnen. Ich fuhr zum unterstellen auf ein großes privates Grundstück. Mit Gordon, dem Eigentümer, der gerade beim Düngen seines Rasens war, kam ich sehr nett ins Gespräch. Er will unbedingt sehen wie mein Trip verläuft und hat sich meine Blogadresse notiert.

Gerade als die „Eintracht“ deutscher Pokalsieger wurde habe ich mir am Hinterrad eine spitze Krampe in den Mantel gefahren. Plattfuß Nummer 1 in Alaska. Also komplett abgerödelt, den Schaden behoben und mühsam mit der Hand 3 Bar reingepumpt, das ging gerade so mit der schweren Ladung. Welch ein Glück 3 – 4 km weiter war eine kleine Tankstelle und ich konnte wieder richtigen Druck aufbauen.

Im wesentlichen fuhr ich später am Tanana River entlang südwärts. Nach rund 100 km bin ich auf einer öffentlichen Campsite am Birch Lake gelandet. Ich habe mich kurzerhand entschieden den sonnigen Spätnachmittag hier zu beenden. Total idyllisch – es ist jetzt 21 Uhr – kein Mensch außer mir ist hier – der See ist noch weit über die Hälfte der Oberfläche zugefroren.

Sonnenuntergang ist gegen Mitternacht und -aufgang kurz danach. Also richtig dunkel wird es nicht mehr.

Werde zeitig schlafen gehen und morgen früh bald weiterfahren. In etwa 50 km kommt Delta Junction und der Alaska-Kanada-Highway beginnt.

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Rückblickend mal so einige erste Rad-Erfahrungen auf dem Trip. Ich bin die ganze Woche auf dem George-Parks Highway gefahren.

  • Die Seitenstreifen sind zu weit über 95 % super zu befahren, es liegt allerdings ziemlich viel Schrott so kurz nach dem Winter rum. Da heißt es wachsam sein, eine scharfe Schraube im Reifen macht Ärger.
  • Die Autofahrer erlebe ich sehr fair. Selbst die riesigen Brummis fahren mit großem Abstand vorbei.
  • Sehr hilfreich sind die „rumble strips“ mittig und rechts am Fahrbahnrand, das sind so „Aufwach- und Rüttelrillen“. Sie erzeugen frühzeitige Warnsignale. Wenn du allerdings mit dem Rad selbst drüber fährst, wackeln die Plomben.
  • Der Verkehr war die letzte Woche, mit Ausnahme der ersten 50 km bei Anchorage, absolut okay.
  • Die meisten entgegenkommenden Fahrer grüßen sehr freundlich.
  • Es macht Laune durch diese unendliche Natur zu fahren. Ein bisschen beklemmend war der Tag mit dem meterhohen Schnee zwischen Trapper Creek und Broad Pass bei Cantwell.

Kurz noch zu den bisherigen Wetterbedingungen. Seit meinem Start in Anchorage ist es trocken. Mein Regenzeug ist in den Taschen ganz weit nach unten gerutscht. Wind hatte ich immer – sowohl von vorne, wie auch von hinten. Ein bisschen geschneit hat es in Cantwell und die Temperaturen waren oft niedrig einstellig. Aktuell sind es in Fairbanks um die 20 Grad, das ist Frühling pur. Die Vorhersage für die nächsten Tage bestätigt den bisherigen Trend.

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Cliff bringt mich und mein Fahrrad samt Ausrüstung mit dem Pick-Up hinab nach Fairbanks.

Ich besorge mir bei REI einige Outdoordinge – fahre an meiner gebuchten AirBnB-Adresse vorbei, drehe eine Runde durch Down-Town Fairbanks (sehr übersichtlich) und frühstücke in einem ganz netten Café.

Kurz nach 14 Uhr ist die Wohnung bereit zum Einziehen. Ist sehr ordentlich – habe Platz ohne Ende.

Brauche heute ein Nickerchen, bevor ich mich später zum Dinner mit Cliff wieder treffe. Seine Frau ist verreist ganz nach Norden, sie beschäftigt sich mit dem Verhalten von Eichhörnchen.

Entspannter Tag heute – ich bleibe bis Samstag hier in Fairbanks.

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Unglaublich ich habe tatsächlich fast 12 Stunden am Stück in meinem Zelt geschlafen. Es war der erste Morgen an dem mich die Sonne geweckt hat.

Unterwegs habe ich mir überlegt eigentlich könnte ich heute bis Fairbanks fahren. Habe meinen Host Cliff angerufen – yes no problem – war die Antwort.

Die ersten 50 km waren easy – habe im Nenana in einem skurrilen Lokal meine Energiespeicher aufgefüllt und weiter in Richtung Fairbanks.

Gottseidank wusste ich nicht was mich erwartete – ein endloses Auf- und Ab – am Ende waren es rund 1500 hm, das ist mit der vollen Ladung kein Pappenstiel. Belohnt wurde ich durch traumhafte Ausblicke und immer mehr Grün hier in „Interior Alaska“.

Cliff erwartet mich am Stadtrand von Fairbanks mit seinem Pick-Up und brachte mich zu dem Haus der Familie Moore – ziemlich weit außerhalb und ganz weit oben auf dem Cranberry Ridge.

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Der Typ vom Bluesberry Inn hier in Cantwell (max. 100 Ew.) sah genau so aus, wie die Westernfigur Fuzzy in meiner Jugend – ich habe mich nicht getraut ihn zu fotografieren.

Übrigens habe ich gestern auch mein erstes wildes Tier gesehen, einen Wolf, lag allerdings tot am Straßenrand, war wohl auch nicht wirklich lange her.

Heute morgen hat es richtig schön geschneit. Mein Forecast zeigte mir ab 1/2 10 wird es trocken. Habe es langsam angehen lassen und grosses Radlerglück erlebt, Wind von hinten und ganz viel bergab – trotzdem ging es auch immer mal rampenartig hinauf – am Ende kamen immerhin auch wieder 750 hm zusammen.

Die meiste Zeit bin ich parallel zum Nenana-River gefahren, gleich nach dem Park-Entrance zum Denali Nationalpark durchbricht der Fluß eine Art von Canyon und da gab es auch die ersten Touristen auf der Tour.

Tierisch gesehen habe ich eine Elchkuh mit Kind und einen toten Bären.

Gegen 19 Uhr bin ich direkt am teilweise noch schneebedeckten Nenana auf einer Camping-Site gelandet. Ich bin der einzige Gast weit und breit – es sind auch noch kaum Wohnmobilisten unterwegs. Radfahrer habe ich auch noch keinen getroffen – ist halt echt schon noch sehr (zu) früh.

Morgen mache ich einen kurzen Tag um am Donnerstag in Ruhe am Nachmittag in Fairbanks einzutreffen.

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